Andreas Eschbach – Quest

In einigen tausend Jahren hat die Menschheit das Weltall erobert und hunderte von Planeten besiedelt. Mit riesigen Erkundungsschiffen durchstreifen sie die Weiten zwischen den Sternen und sind dabei auch auf nicht-menschliches Leben gestoßen. Eines ist dabei aufgefallen: alle Wesen glauben, dass das Leben von einem einzigen Planeten ausgegangen sein muss, um den sich zahllose Legenden ranken. Auch Eftalan Quest, der Kommandant des Fernerkunders MEGATAO macht sich mit seinem Schiff und der Crew auf die Suche nach diesem sagenumwobenen Ort.

Der Roman umspannt dabei das gesamte Abenteuer, von den Anfängen der Suche in der größten Bibliothek der Galaxis, dem Pashnakarium, über die Begegnung mit den riesenhaften Yorsen bis zum gefährlichen Flug in eine andere Galaxis. Sehr anschaulich beschreibt Eschenbach fremde Orte und andere Rassen, so dass vor meinem inneren Auge eine Art Film ablief. Unterstützt wurde dies durch einige farbige Illustrationen von Thomas Thiemeyer, die Schlüsselereignisse der Erzählung untermalen.

Die Palette der Charakter bietet für ziemlich jeden eine Identifikationsfigur: der Kommandant Quest, ein leidender Held, der die Strippen im Hintergrund zieht und dessen Motive lange im Unklaren bleiben. Sein Stellvertreter, Dawill, der als einziger Freier unter den ganzen Edlen im Führungsstab mit Anfeindungen und Geringschätzung zu kämpfen hat. Der Forscher Tennant Kuton, ein Edler, der jedoch wegen der Verfehlungen seines Vaters zu einem Freien degradiert wurde und deswegen mich sich und der Welt hadert, insbesondere da seine große Liebe, die erste Heilerin Vileena nun für ihn unerreichbar scheint. Der junge Bailan, ein Novize aus dem Pashkanarium, geflohen mit den fremden Sternenpiloten, um das Universum kennen zu lernen. Und die Niedere 1004, die gezwungen ist, gemeinsam mit hunderten anderen Niederen das Schiff zu putzen und alle unangenehmen Aufgaben zu verrichten, die sich jedoch davon nicht unterkriegen lässt. Mein absoluter Favorit ist allerdings Smeeth, der Kommandant eines Raumschiffes, das vor beinah 400 Jahren gestrandet ist und nun von der MEGATAO gerettet wurde. Als Einziger hat er den Kälteschlaf überstanden und muss sich nun in einer fremden Welt zurechtfinden. Die Republik, von der aus er aufgebrochen ist, fiel durch und durch korrupt in sich zusammen und der Pantap, eine Art Imperator, wurde wieder eingesetzt.

Neben dieser reichhaltigen Auswahl an zwischenmenschlichen Konflikten an Bord des Fernerkunders, bei der leider die Frauen arg unterrepräsentiert sind, gibt es auch einige Häppchen über das Leben außerhalb der Schiffswände, die Einfluss auf die Reise von Quest und seiner Crew haben: der Sternenkaiser, Herrscher eines überaus mächtigen Reiches in einer anderen Galaxie, hat einen Angriff auf die Heimat unserer Helden gestartet und er ist hoffnungslos überlegen. Ob die Mission der MEGATAO, wenn sie denn erfolgreich ist, eine Möglichkeit aufzeigt, wie man den fremden Despoten zurückschlagen kann?

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass der Autor sich mit technischem Kauderwelsch stark zurückgehalten hat. Falls es jedoch für den Fortgang des Abenteuers notwendig war, wusste er gekonnt die Dinge so zu beschreiben, dass auch ich als absoluter Technik-Laie verstand, worum es ging.

Insgesamt ein toller soft-SF Roman, der mit dem Glauben an Gott bzw. die Äquivalente anderer Religionen und Glaubensrichtungen spielt und sie hinterfragt. Die Frage, um die sich fast alles dreht, lautet: Was würdest du machen, wenn du wirklich Gott gegenüberstehen würdest? Ich vergebe 3,5 von 5 Riggs.

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