Éric Liberge – Monsieur Mardi-Gras: Unter Knochen (1) – Willkommen

Victor Tourterelle, 40, Kartograph, stirbt bei einem Unfall im Badezimmer, bei dem er auf dem Spielzeugauto seines Sohns ausrutscht und sich auf dem Badewannenrand das Genick bricht. Das Leben nach dem Tod sieht allerdings anders aus, als er es sich vorgestellt hat: als Skelett sitzt er in einer grauen, staubigen Wüste, mutterseelenallein und langweilt sich. Als ihm der Postbote 23 aufsucht, um ihm sein Sterbeprotokoll zu überbringen und ihm die postmortale Registriernummer zu verpassen, wird Tourterelle auch gleich noch ein neuer Name verpasst: Mardi-Gras Aschermittwoch, nach seinem Todeszeitpunkt: genau Mitternacht zwischen Mardi-Gras (Fastnacht) und Aschermittwoch.

Selbstverständlich hat Mardi-Gras viele Fragen über das Leben nach dem Tod und so wird er vom Postboten 23 mit in die Stadt genommen. Es ist amüsant mit anzusehen, wie er sich dort von einem Fettnäpfchen zum nächsten begibt, indem er nicht begreifen will, dass das Leben, wie er es kennt, vorbei ist. Ständig begehrt er auf gegen die Sitten, die sich entwickelt haben und bringt sich damit in ziemliche Gefahr. Doch der kämpferische Kartograph lässt sich weder vom Verlust seiner Seele, noch seiner Schädeldecke beeindrucken, obwohl Knochen doch das wertvollste für die Skelette sind.

Die eigentliche Story beginnt sich am Ende dieses Auftaktbandes abzuzeichnen: eine geheime Organisation will Mardi-Gras für ihre Dienste rekrutieren. Seit Jahrhunderten ist er der erste Kartograph, der in dieser Region des Jenseits gelandet ist und zudem ist im sein erster Instrumentenkasten in den Tod gefolgt. Perfekte Voraussetzungen, um eine Karte von ihrem grauen, öden Gefängnis anzufertigen und damit herauszufinden, womit sie es eigentlich zu tun haben.

Liberge gelingt mit Mardi-Gras ein schwarz-humoriger Comic der besonderen Art. Alles, was man sich landläufig unter einem Leben nach dem Tod vorstellt, sei es Himmel oder Hölle, wird von ihm karikiert. In der grauen Einöde ist Kaffee das wertvollste Gut, erlaubt es den Menschen Skeletten eine Vision von dem, was sie zurückgelassen haben. Neben Kaffee gibt es sonst nur alle Arten von giftigen Säuren und anderen Abfällen der Welt der Lebenden zu kaufen. Obwohl Tote nicht zu essen brauchen, stellen sie sich absurde Gerichte aus dem tödlichsten Zutaten zusammen – schließlich sind sie bereits tot. 😉

Der Zeichenstil ist sehr angenehm. Hauptsächlich dominieren graue und schwarze Farben die Bilder, nur selten unterbrochen von goldenen oder bräunlichen Flicken, die die Skelette zusammenhalten oder verlorene Knochen ersetzen. Auch die räumliche Aufteilung der Seiten bringt die Geschichte rasch voran, wird aber an wichtigen Stellen von ganzseitigen Zeichnungen unterbrochen, die dem Leser einen Überblick über die Situation erlauben.

Insgesamt ein sehr viel versprechender Comic, bei dem ich mir sicherlich auch noch die folgenden 3 Bände kaufen werde, um zu sehen, wie es Mardi-Gras unter den Toten so ergeht. Für mich ist das Werk 4 von 5 Kaffeemühlen wert.

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