Markus Zusak – The book thief

Liesel Meminger lebt bei einer Pflegefamilie im Münchener Vorort Molching. Ihre leibliche Mutter, eine Kommunistin, brachte sie und ihren Bruder dorthin, damit sie in Sicherheit wären. Doch ihr Bruder verstarb während der Bahnfahrt und wurde auf einem kleinen Friedhof in einem namenlosen Dorf an der Bahnstrecke begraben. Dies war gleichzeitig der Zeitpunkt, als Liesel zum ersten Mal ein Buch stahl – „The Gravedigger’s Handbook“. Der Tod, der die Seele ihres Bruders geholt hatte, war von dem Mädchen beeindruckt und erinnerte sich an jedes der 3 Male ganz genau, als er dem Mädchen während seiner Arbeit begegnet war. Beim dritten Mal fällt ihm das schwarze Notizbuch in die Hände, in dem Liesel ihr Leben niedergeschrieben hatte, von dem Moment an, als sie in 33 Himmel Street, Molching bei der Familie Hubermann ankam.

Wie tief der Tod von Liesel beeindruckt wurde, zeigt sich daran, dass er dem Leser ihre Geschichte erzählt. Die Schrift auf den Seiten des schwarzen Notizbuches verblasst aufgrund der Einwirkung der Zeit und der vielen Male, die der Tod die Wörter gelesen hatte. Ein gutes Mittel, um eine Geschichte nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen, sei, sie weiter zu erzählen. Und so beginnt der Tod, uns Lesern die Geschichte von Liesel Meminger zu erzählen, von ihrer Eingewöhnungsphase bei den Hubermanns, von Rudi Steiner, dem Nachbarsjungen, den sie am Anfang nervig findet, der sich aber zu ihrem besten Freund mausert, und von Max, dem Juden, der von den Hubermanns im Keller versteckt wird.

Zuerst wird Liesels Leben vom Krieg kaum berührt, doch je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr hält das Grauen Einzug in Molching. Das Ganze aus der Sicht eines Anfangs 10 Jahre alten Mädchens zu erleben, verstärkt die Eindrücke noch, die die Ereignisse hinterlassen und man staunt immer wieder, wie Liesel es schafft, sie selbst zu bleiben – die Bücherdiebin, deren größte Leidenschaft die Wörter sind. Zuerst die bereits gedruckten Wörter, später die Wörter, die sie selbst zu Papier bringt. Als bekennende Leseratte ist es für mich besonders berührend, wie Liesel in einem Raum voller Bücher steht und nicht weiß, wohin sie zuerst sehen soll – und wie sie dann an den Regalen entlang gehend die Rücken der Bücher ganz vorsichtig mit ihren Fingern berührt.

Um eine deutsche Atmosphäre zu erzeugen, hat der Autor immer wieder deutsche Wörter oder Sätze in die Dialoge eingeflochten, wie beispielsweise Frau Hubermanns Angewohnheit, jeden „Saumensch“ bzw. „Saukerl“ zu nennen. Für deutschsprachige Leser der englischen Ausgabe ist das ganz interessant, insbesondere die englischen Erklärungen für die o.g. Kosenamen zu lesen. Für nicht-deutschsprachige Leser hat Zusak gekonnt eine englische Wiederholung in den Text eingeflochten, größtenteils ohne dass es als plumpe Wiederholung wirkte. Bei Gelegenheit muss ich im Buchladen mal nachsehen, wie diese stylistische Besonderheit in der deutschen Ausgabe gelöst wurde.

Insgesamt gesehen ist “The book thief” nicht nur ein Plädoyer für die Kraft, die Bücher spenden können, sondern auch ein Plädoyer gegen den Krieg und für das Leben. Emotional besonders aufgeladen sind die letzten 50 Seiten – ich musste fast durchgängig heulen, weil ich so tief berührt war und ich den Schmerz und den Verlust beinah körperlich spürte. Ich kann nicht anders, als diesem Buch 5 von 5 Farbeimer zu geben.

Die perfekte Zusammenfassung bietet übrigens der Blurb des Guardian:

„A novel of breath-taking scope, masterfully told.“

Da gibt es nichts hinzuzufügen.

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