Naomi Novik – Die Feuerreiter seiner Majestät (1) – Drachenbrut

Will Laurence, seines Zeichens Kapitän in der britischen Marine, macht eine überraschende Entdeckung an Bord der französischen Fregatte, die er mit seinen Männern soeben geentert hat: ein Drachenei! So schnell wie möglich versuchen sie, das kostbare Gut in den nächsten Hafen zu bringen, wo sich ausgebildete Flieger um das Ei kümmern können. Doch der Drache schlüpft schneller als erwartet und er erwählt ausgerechnet Laurence zu seinem Partner. Zuerst niedergeschlagen von der Aussicht, dass seine Karriere in der Marine beendet ist und er fortan ein Leben bei den nicht sehr hoch angesehenen Fliegern führen muss, beginnt der Drachen, den er Temeraire taufte, eine immer wichtigere Rolle in seiner Welt zu spielen. Schon bald verbindet die Beiden eine so tiefe Freundschaft, dass jeder bereit ist, sein Leben für den Anderen zu opfern.

In einem Ausbildungslager für Drachen lernen Laurence und Temeraire neben dem Kämpfen auch das Leben der Flieger zu schätzen, nachdem insbesondere Laurence anfängliche Anfeindungen und Ablehnung aufgrund seiner Marine-Vergangenheit ertragen musste. Nachdem sie sich jedoch eingelebt haben, holt sie der ernst des Lebens wieder ein – Napoleon, König von Frankreich, steht kurz davor, den Ärmelkanal zu überqueren und England zu erobern. Laurence und Temeraire sind eine willkommene Unterstützung für die hoffnungslos zahlenmäßig unterlegenen britischen Luftstreitkräfte, die sich nur zu bald in der Schlacht bewähren müssen.

Novik gelingt mit diesem Auftaktband zu ihrer Serie „Die Feuerreiter ihrer Majestät“ ein furioser Einstieg in eine Alternativwelt zu Zeiten der napoleonischen Kriege. Viele Personen und Ereignisse entsprechen der tatsächlichen Historie und bieten so einen hohen Wiedererkennungswert. Die phantastischen Elemente halten sich auch stark in Grenzen und beschränken sich eigentlich nur auf die Drachen, deren Rollen klar definiert sind: entweder sie sind „gezähmte“ Kämpfer, sie dienen der Zucht oder in wenigen Ausnahmefällen existieren sie tatsächlich noch als wilde Bestien. Rings um die geflügelten Luftstreiter hat sie ein plausibles System von Regeln und Erklärungen entwickelt, das den Drachen Grenzen auferlegt und so das Ganze realistischer gestaltet. So können die Drachen zwar von Geburt an Reden, jedoch nur die Sprachen, die sie noch im Ei durch die Schale wahrgenommen haben. Zudem sind Drachen intelligente Lebenwesen, jedoch keineswegs durchweg Superhirne, sondern manche Rassen mehr und manche weniger, je nach dem, worauf bei der Zucht Wert gelegt wurde.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sie die verschiedenen, aber aller gleichermaßen negativen Reaktionen auf Laurence Erwählung zum Feuerreiter schildert: Von seinen Kameraden bedauert, da seine hoffnungsvolle Karriere bei der Marine abrupt zu Ende ist und er nun bei den unzivilisierten Fliegern leben muss. Von seinem Vater und der feinen Gesellschaft abgelehnt, als wäre es seine eigene Schuld, dass er nun einer tieferen und kaum respektierten Schicht angehört. Von seinen zukünftigen Kameraden argwöhnig beäugt, ist der doch ein Marinekapitän und keiner der seit ihrer Kindheit besonders ausgebildeten Flieger. Doch die tiefe Freundschaft zu Temeraire, der ihn immer wieder aufmuntert und ihm hilft, die schwierige Umbruchphase zu überstehen, lassen ihn seinen Platz unter den Fliegern finden.

Als kleiner Kritikpunkt ist zu nennen, dass die meisten Figuren in ein relativ starres Schwarz-Weiß-Schema eingeordnet sind und sich nur bei wenigen Ausnahmen graue Ansätze zeigen. Dennoch gelang es ihr, mich mit einigen Entwicklungen zu überraschen.

Fazit: Ein toller alternativ-historischer Jugendroman, für den ich nur allzu gerne 4 von 5 Schmuckstücke vergebe und dessen Fortsetzung sicherlich bald den Weg in mein Bücherregal finden wird.

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