Ariana Franklin – Die Totenleserin (gelesen von Beate Himmelstoss)

Im Cambridge des 12. Jahrhunderts wird ein Junge grausam ermordet und mehrere Kinder sind noch verschollen. Schuld sind natürlich die Juden, die sich vor dem aufgebrachten Mob auf die königliche Burg flüchten und dort verbarrikadieren. Als sich nach einigen Monaten noch immer nichts an der Situation geändert hat – die Kinder bleiben verschwunden, der Mörder ist noch nicht entlarvt und die Juden harren noch immer in der Burg aus – beschließt der König, dass die Situation aufgeklärt werden muss. An dieser Stelle treten Adelia, Simon aus Neapel und Mansur auf den Plan. Adelia, eine weibliche Ärztin aus Salerno, die sich auf die Toten spezialisiert hat, soll die Leichen der Kinder untersuchen, um so Rückschlüsse auf den Täter zu ermöglichen. Leider sind weibliche Ärzte in den Augen der christlichen Kirche ein Frevel, so dass sich Mansur, der morgenländische Eunuch und Leibwächter Adelias als Arzt ausgeben muss. Dennoch lässt sie sich davon nicht von ihrer Aufgabe abschrecken und die Drei beginnen mit ihren Ermittlungen.

Die Geschichte an sich beginnt eher gemächlich und bleibt dies auch für längere Zeit. Nach der Ankunft unseres Trios in Cambridge wechseln sich Nachfragen und ärztlichen Behandlungen ab. Zwar befördert Adelias Leichenschau bei den mittlerweile gefundenen ermordeten Kindern einige Erkenntnisse zutage, jedoch verlaufen die weiteren Aktivitäten der Gruppe größtenteils im Sand. Erst im letzten Drittel erhöht sich die Spannung plötzlich sprunghaft als zum großen Showdown geblasen wird, bei dem der Mörder persönlich in Erscheinung tritt. Ein etwas besser ausgeglichener Spannungsbogen hätte hier vor allem in der ersten Hälfte einige Längen ausmerzen können.

Negativ aufgefallen ist mir des Weiteren, dass die Protagonisten teilweise recht modern sprechen und sich auch nicht in jeder Situation so verhalten, wie man es aufgrund des historischen Umfeldes erwarten könnte. An solchen Punkten wurde ich jedes Mal aus der Handlung gerissen, wodurch es zu unschönen Brüchen kam. Ich bin zwar auf dem Gebiet der historischen Romane nicht sehr gut bewandert, aber meine dennoch, dass eine sorgsamere Recherche und mehr Akribie bei den Dialogen die meisten dieser Schnitzer verhindert hätte.

Mein Fazit lautet daher, dass die gekürzte Handlung verlegt in die Neuzeit durchaus einen spannenden Krimi ergeben hätte, aber für die historische Langfassung kann ich leider nur 2,5 von 5 stinkenden Hunden vergeben.

Das war es nun – mein allererstes Hörbuch. Zu Beginn hatte ich leichte Eingewöhnungsschwierigkeiten, da es für mich ungewohnt war, nicht das geschriebene Wort vor Augen zu haben. Doch bald danach konnte ich in die Geschichte eintauchen. Frau Himmelstoss macht ihre Sache größtenteils gut, betont die verschiedenen Sprecher unterschiedlich und variiert auch ihre Stimmlage. Leider hält sie dies nicht die ganze Zeit durch, so dass ab und zu Passagen vorkommen, in denen sie eher gelangweilt klingt, wodurch es mir schwerer fiel, dem Hörbuch folgen zu können.

Laut Angaben auf der CD-Hülle habe ich mir eine gekürzte Fassung zu Gemüte geführt. Hier muss ich lobend erwähnen, dass mir an keiner Stelle bewusst geworden ist, dass gekürzt wurde und ich der Handlung an sich problemlos folgen konnte – im Gegenteil: meiner Meinung nach hätte man ruhig noch etwas mehr kürzen können.

Für das Hörbuch vergebe ich daher insgesamt unter Berücksichtigung eines Erstlingsbonus 3,5 von 5 stinkenden Hunden.

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