Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg

Zu Beginn habe ich aufgrund des Hypes um dieses Buch einen großen Bogen darum gemacht. Als ich es jedoch bei meiner Mum im Wohnzimmer fand, konnte ich nicht widerstehen und habe es mir ausgeliehen. Im Nachhinein betrachtet eine sehr gute Entscheidung.

Hape Kerkeling begibt sich auf die Pilgerfahrt von Saint-Jean-Pied-de-Port in den französischen Pyrenäen nach Santiago de Compostela im westlichsten Zipfel von Spanien. Circa 800km wandert er parallel zu Spaniens Nordküste und sucht den Geist der Pilgerfahrt.

Am Anfang geht er kurz darauf ein, warum er sich überhaupt auf diese Reise gemacht hat und was er sich davon verspricht, ehe er über die Pilgerfahrt an sich berichtet. Man muss sich vor Beginn der Lektüre klar vor Augen halten, dass dieses Buch aus den Tagebuchaufzeichnungen Kerkelings von der im Sommer 2001 stattgefundenen Wallfahrt besteht, mit allen Vor- und Nachteilen von Tagebüchern. Wer sich auf dieses Experiment einlässt, wird mit einer eindrucksvollen Schilderung des 42tägigen Fußmarsches belohnt, der sich anhand der enthaltenen Karte gut nachverfolgen lässt.

Während die ersten Tage noch das Gejammere über die die Strapazen, die Fußschmerzen und die unzulänglichen Übernachtungsmöglichkeiten in den refugios die Einträge dominieren, verändert sich im Laufe der weiteren Etappen langsam der Ton. Seine anfangs angesprochene Suche nach „Gott oder was-auch-immer-da-draußen-ist“ scheint erste Früchte zu tragen. Seine Gedanken wenden sich mehr sich selbst zu und er reflektiert über seinen Charakter und sein bisheriges Leben, welches er in einem kurzen Zwischenspiel ausschnittsartig zum Besten gibt.

Den zweiten Teil seiner Pilgerfahrt begeht Kerkeling dann auch nicht mehr allein, sondern er freundet sich mit Anne, einer Engländerin, und Sheelagh, einer Neuseeländerin, an und wandert mehr oder weniger mit ihnen gemeinsam. Zwar hatte er während der ersten Hälfte des Jakobswegs auch reichlich Bekanntschaften geschlossen, doch zumeist waren es eher skurrile Gestalten, die seinen Weg kreuzten. Die daraus resultierenden Anekdoten, die er in seinen Tagebuchaufzeichnungen wiedergab, waren zwar amüsant, aber es wurde ebenso deutlich, dass er sich nach echter Gesellschaft sehnte, die er schließlich in Anne und Sheelagh fand. Der Austausch mit den beiden beförderte interessantes Gedankengut an die Oberfläche und lies auch dem Leser ein paar Brocken übrig, auf denen er herumkauen konnte. Besonders die Idee, sich einfach beim Universum zu bestellen, was man braucht, hat es mir angetan.

Als Kerkeling und seine Pilgerfreundinnen schließlich ihr Ziel in Santiago de Compostela erreicht hatten, konnte man förmlich den Trennungsschmerz nachvollziehen, hat man sie während der Lektüre von Kerkelings Aufzeichnungen ebenfalls ins Herz geschlossen. In dieser Hinsicht ist das Nachwort echtes Gold wert, denn es zeigt, dass diese Bekanntschaften keine von der flüchtigen Sorte waren. Das gemeinsam Erlebte hat Hape, Anne und Sheelagh offenbar eng zusammengeschweißt.

Ein Kritikpunkt, den ich mehrmals gehört habe, stellt Kerkelings Einstellungen zu den refugios dar und seine überhebliche Haltung gegenüber einigen anderen Pilgern. An dieser Stelle wiederhole ich nochmals, dass es sich um Tagebuchaufzeichnungen handelt. Wenn er so empfindet, dann hat er jedes Recht, es so niederzuschreiben. Schließlich ist niemand gezwungen, es zu lesen. Zudem kann ich seine Einstellung gut nachvollziehen, hat er es doch probiert, in einem refugio zu übernachten und die Schilderung der Schlafsäle und der hygienischen Einrichtungen ließen mir ebenfalls die Haare zu Berge stehen.

Für mich war dieser Bericht auf alle Fälle eine sehr angenehme Lektüre, die die Neugier auf den Jakobsweg geweckt hat, wie es einst „Jakobsweg der Freude“ bei Kerkeling tat. Doch habe ich nach dem Auslesen dieses Buches vorerst nicht das Bedürfnis, mir die Strapazen anzutun, welche Kerkeling auf sich nahm. Ich habe sie lieber bequem von meinem Bett aus verfolgt. 😉

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