Cornelia Funke – Tintenherz

Das Mädchen Meggi(e) wohnt mit ihrem Vater Mo, einem Buchrestaurator, in einem abgelegenen Haus. Aufgrund des Berufs ihres Vaters stapeln sich dort die Bücher und auch Meggi hat sich mit der Lesesucht recht früh angesteckt. Als sie eines Abends einige Kerzen anzünden will, um in deren Schein noch etwas zu lesen, entdeckt sie eine Gestalt auf dem Hof, die ihr Angst einjagt. Der herbeigerufene Mo lässt Staubfinger jedoch herein und bespricht mit ihm etwas hinter verschlossenen Türen. Meggi kann nur solch merkwürdige Namen wie Zauberzunge und Capricorn heraushören sowie die Tatsache, dass ein seltenes Buch eine bedeutende Rolle spielt. Am nächsten Morgen wird ihr Leben auf den Kopf gestellt, als sich Mo überraschend entschließt, mit ihr zu verreisen und auch der Fremde Staubzunge und sein gehörnter Marder begleiten sie.

Frau Funke ist es hervorragend gelungen, in unsere moderne Welt einen Hauch von Magie einfließen zu lassen, ohne dass sich dieser mit der Realität bricht. Wunderbare kleine Details erwecken den Anschein, dass es wirklich möglich ist, was sie uns in Tintenherz erzählt. Besonders viel Liebe hat sie in die Charakterisierung der Figuren gelegt und sie sehr plastisch gestaltet. Keine von ihnen ist durch und durch schwarz oder weiß, jeder hat Seiten, die ihn sympathischer machen. Insbesondere Staubfinger ist ein sehr ambivalenter Charakter, bei dem ich mir bis zum Schluss nie sicher war, was ich von ihm halten sollte. Es siegte letztendlich das Mitleid, welches Frau Funke mit nur einer 3 ½-zeiligen Beschreibung eines Gegenstandes aus seinem Rucksack erreichte. Ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie hervorragend sie die indirekte Charakterisierung beherrscht. Einzig Capricorn blieb etwas schablonenhaft, was aber durchaus gewollt sein kann.

Ein enormer Pluspunkt ist zudem die liebevolle Gestaltung des Buches. Schon allein das Cover lädt zum Verweilen in der Tintenwelt ein. Im Inneren wird jedes der relativ kurzen Kapitel durch Überschriften eingeleitet, die die folgenden Geschehnisse andeuten, ohne zu viel zu verraten. Die dem folgenden Zitate aus anderen Büchern oder Aufzeichnungen passen zumeist hervorragend zur jeweiligen Stimmung und Atmosphäre und erzeugen zudem den Wunsch, auch diese Bücher zu lesen. Dem kommt entgegen, dass am Ende des Buches eine Liste mit den ausführlichen Quellenangaben enthalten ist.

Erwähnt werden muss ebenfalls, dass die Autorin selbst das Buch mit kleineren Illustrationen versehen hat, welche die Geschehnisse schön umranden, ohne die Fantasie des Lesers einzuengen.

Alles in allem ist Tintenherz ein lesenswertes Jugendbuch über die Magie des gedruckten Wortes. Ich persönlich war jedoch froh, als ich am Ende angekommen war und das Buch auf die Seite legen konnte. Die Handlung war an einigen Stellen ziemlich vorhersehbar und dadurch taten sich einige Längen auf, die man aber gut überwinden konnte und die durch ein beeindruckendes und abgeschlossenes Ende mit nur wenigen losen Fäden beinah aufgewogen wurden. Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Zinnsoldaten.

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