Christoph Marzi – Malfuria (1) – Das Geheimnis der singenden Stadt

Die 14jährige Catalina lebt seit zwei Jahren in Barcelona, um dort das Handwerk des Kartenzeichnens zu erlernen. Doch eines Tages kommt eine fliegende Galeone in die Stadt. Früher waren diese Schiffe unterwegs, um Hexen zu fangen, und nun sind die Harlekine, körperliche Schatten, auf der Suche nach ihr. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Jordi, der von seinem brutalen und alkoholabhängigen Vater weggelaufen ist. Gemeinsam schaffen sie mit Hilfe des Windes El Cuento, den Catalina aus ihrem Heimatdorf kennt und mit dem sie sich unterhalten kann, die Flucht vor den Schatten. Doch diese geben nicht so schnell auf, schließlich ist Catalina die Tochter einer Hexe.

Da ich bereits die Bücher um die uralte Metropole von Marzi gelesen und geliebt habe, ging ich mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch heran – und sie wurden nicht enttäuscht. Gewohnt lebendig schildert der Autor die Geschehnisse des Buches. Man kann die Stadt förmlich vor seinen Augen sehen, auch wenn man ihr noch niemals einen Besuch abgestattet hat. Ebenso gut gelingt ihm die Porträtierung seiner Protagonisten. Man kann ihre Ängste, aber auch ihre Wünsche sehr gut nachvollziehen und fürchtet mit und um sie.

Ein besonderes Highlight ist die Schilderung der Bibliothek, des Hauses der Nadeln. Sie beherbergt tausende von Büchern, deren Buchstaben Flügel bekommen, wenn ein Leser in sie eintaucht. Die freien Buchstaben werden von den Bibliothekaren mit Nadeln eingefangen und an die Bücherwürmer verfüttert, die sich irgendwann verpuppen, um anschließend einem neuen Buch aus den verdauten Buchstaben das Leben zu schenken. In Gegenwart von Catalina und Jordi erblickte ein kleiner, lila Gedichtband das Licht der Welt.

Auch hat Marzi in der Bibliotheksszene einige Anspielungen auf bekannte Autoren eingebaut. So heißen die beiden Bibliotheksgehilfen Pérez und Reverte, nach Arturo Pérez-Reverte, der u.a. „Der Club Dumas“ schrieb, und der spanischen Klassiker „Don Quijote“ von Cervantes findet seinen Nachruf im Namen des Bibliothekars Firnis Cervantes sowie dem wandelnden Tisch Quijote.

Einige Anspielungen, die mir wohl entgangen sind, stecken sicherlich in den spanischen Bezeichnungen und Namen, die immer wieder auftauchen. Während bei Straßennamen zumeist noch erklärt wird, nach welchen Handwerksberufen sie benannt wurden, vermisste ich insbesondere an einer Stelle eine Erklärung: La Sombría.

Insgesamt faszinierte mich die Geschichte rund um Catalina und Jordi sehr, die sich im Folgeband „Die Hüterin der Nebelsteine“ nahtlos fortsetzen wird, so dass das aktuelle Buch ein sehr offenes Ende aufweist. Ich empfehle daher, sich die beiden Folgenbücher gleich griffbereit zurecht zu legen.

Für den Auftakt der Trilogie vergebe ich 4 von 5 Schatten.

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