Miguel de Cervantes Saavedra – Don Quixote von la Mancha

Wer kennt nicht den heldenhaften Kampf des Ritters von der traurigen Gestalt gegen die Windmühlen? Seinen treuen, aber beleibten Stallmeister Sancho Pansa? Und wer hat noch nie von Rosiante gehört, der tapferen Stute, die Don Quixote zu seinen Abenteuern trägt?

Sicherlich kann jeder den Namen „Don Quixote“ einordnen, doch das gesamte Werk, welches Cervantes im 17. Jahrhundert verfasst hat, beinhaltet viel mehr, als nur die bekannten Abenteuer. Aus diesem Grund habe ich das Buch in einer gemütlichen Leserunde auf literaturschock.de gelesen, bei der sich mir einige Anspielungen erschlossen haben, die ich allein kaum verstanden hätte.

Das Buch an sich besteht aus zwei Bänden, die im Abstand von 10 Jahren in Spanien erschienen und handelt vom Landadligen Alsono Quixano, der sich aufgrund der Lektüre zu vieler Ritterroman ebenfalls für einen irrenden Ritter hält und diesen Orden durch das Bestreiten vieler Abenteuer wieder auferstehen lassen will. Dabei bildet er sich sehr vieles ein und biegt sich die Welt so zurecht, dass sie zu seiner Einbildung passt.

Insbesondere der Anfang des ersten Bandes machte mir ziemliche Schwierigkeiten, musste ich mich doch erst mit der Sprache vertraut machen. Das Original ist nun über 400 Jahre alt und auch die deutsche Übersetzung von Ludwig Tieck stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Dementsprechend musste ich mich am Anfang sehr konzentrieren, um die langen und verschachtelten Sätze zu verstehen. Gerade die langen Monologe vom Don Quixote verlangen gesteigerte Aufmerksamkeit, da er hier teilweise äußerst intelligente, teilweise sehr verschrobene Ansichten darlegt und begründet.

Nachdem ich mich durch die ersten Kapitel gelesen hatte, die Personen eingeführt wurden waren und auch der berühmt-berüchtigte Kampf gegen die Windmühlen in wenigen Absätzen abgehandelt war, fragte ich mich unwillkürlich, ob die restlichen 1100 Seiten lang ebenfalls nur von solchen „Abenteuern“ erzählt wird. Obwohl die Person des Don Quixote sicherlich einige Ambivalenz aufweist, reicht das allein nicht aus, um den Leser bei der Stange zu halten. Anscheinend war das auch Cervantes bewusst, denn er fing an, Novellen einzustreuen und lies andere Personen auftreten, deren Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichten die des Don Quixote zu überdecken begannen. Allerdings war ich dafür relativ dankbar, denn es schaffte einige Abwechslung und das Lesen machte mehr Spaß.

Nachdem alle entzweiten Liebespaare wieder verkuppelt, verschollene Brüder wiedergefunden und entlaufene Adelsjünglinge eingefangen waren, endet der erste Band damit, dass Don Quixote vom Pfarrer und dem Barbier aus seinem Heimatdorf in dasselbige zurückgeführt wird, um dort von seinem Geisteswahn geheilt zu werden, dass er ein irrender Ritter sei. Zu Beginn des zweiten Bandes wird allerdings deutlich, dass die Chancen recht schlecht stehen. In seinem Wahn bestärkt fühlt sich Don Quixote durch ein Buch, welches seine Abenteuer wiedergibt und in ganz Spanien verbreitet ist. An dieser Stelle spielt Cervantes auf die Realität und sein eigenen ersten Band an, welcher vor 10 Jahren erschienen ist. Auch wettert er gegen einen Scharlatan, der Cervantes „Don Quixote“ fortsetzte und die Figuren gänzlich anders handeln und sprechen lies. Solche Einstreuungen finden sich jedoch nur zu Beginn des zweiten Bandes und gegen Ende hin, als Don Quixote nochmals einigen Menschen begegnet, die den „falschen“ zweiten Band gelesen haben. Ansonsten führt die Erzählung die Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt in seinem dritten Auszug aus dem Heimatdorf fort.

Sprachlich, stilistisch und auch charakterlich hat sich einige gegenüber dem ersten Band geändert. Don Quixote ist zwar auch weiterhin von dem Gedanken besessen, die irrende Ritterschaft aus früheren Ritterbüchern wieder auferstehen zu lassen, allerdings hat er weitaus mehr klare Momente, in denen er wahrlich weise Worte spricht und auch so manchen Streit schlichtet. Sancho Pansa, sein Stallmeister, ist auch nicht mehr nur zum bloßen Spaßmacher und Sprücheklopfer degradiert, sondern er kann beweisen, dass auch in ihm mehr steckt, als auf Anhieb zu erkennen ist. Auf die Einstreuung von Novellen, die kaum bis gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, verzichtet Cervantes ebenfalls, ohne dass dadurch Eintönigkeit entsteht. Insgesamt erscheint mir der zweite Band viel gelungener und runder als der erste, wodurch auch das Lesevergnügen erheblich gesteigert wurde.

Für mich jedoch immer wieder verwirrend ist die Schachtelung der Rahmenhandlungen. Cervantes als Autor schreibt diesen Roman, indem er Aufzeichnungen über den echten Don Quixote verwendet. Diese reichen jedoch nicht sonderlich weit, so dass er sich auf die Suche nach weiteren Hinterlassenschaften macht. Er entdeckt, dass ein Araber namens Cide Hamete Benengeli über die Abenteuer des Don Quixote geschrieben hat und lässt dessen Manuskript ins Spanische übersetzten. Fortan tauchen immer wieder Passagen auf, in denen Anmerkungen des Arabers oder des fiktiven Übersetzers vom Autor wiedergegeben werden. Heilfroh war ich, dass es nicht noch Fußnoten des realen Übersetzers Tieck gab, denn das hätte mich endgültig und vollends verwirrt.

Fazit: Dieses Werk wird nicht umsonst als spanischer Klassiker bezeichnet, ist es doch der Höhe- und Endpunkt der beliebten Ritterbücher. Es nimmt sie sowohl aufs Korn, als dass es ihnen nacheifert. Der Zugang fällt nicht leicht und die Sprache ist aufgrund der langen Satzkonstruktionen nicht einfach. Es lohnt sich jedoch, die Längen zu Beginn des ersten Bandes zu überstehen, denn danach nimmt die Handlung an Fahrt auf. Die handelnden Figuren sind ambivalent und zeigen immer neue Gesichter, die ihre bisherige Charakterisierung in Frage stellen, so dass man sich nie sicher sein kann, wer der verrücktere von beiden ist: Don Quixote oder sein Stallmeister Sancho Pansa?

Von mir erhält dieses Buch 3,5 von 5 Schnappsäcken.

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