James A. Sullivan – Der letzte Steinmagier

Wurishi Yu, Schüler des Steinmagiers Wurishi Lu Neju. Nach der Schlacht von Wuchao, in der sich alle Steinmagier zur Entscheidungsschlacht versammelt haben, ist er der letzte noch lebende Steinmagier. Als solcher hat er eine schwere Bürde zu tragen, denn einst wurde die Kaiserin von einem Verräter in Stein verwandelt und nun ist es Yus Aufgabe, sie zu erlösen. Das Erbe seines Meisters und seine Gefährten, die adligen unsterblichen Seelenbrüder Jhutsun Li und Okalang Shi sowie der Meisterdieb Sankou Yan, sollen ihm dabei helfen. Doch der machthungrige Fürst Dayku Quan ist hinter Yu und der Schriftrolle seines Meisters her und sein treuer Untergebener Gling We stellt eine ernstzunehmende Gefahr da. Zum Glück erhalten sie Hilfe von unerwarteter Seite.

Wie an den Namen bereits deutlich geworden ist, handelt es sich hier um ein Fantasybuch mit einem noch relativ unverbrauchten asiatischen Setting. Neben den Personennamen hat sich der Autor auch viel Mühe mit den örtlichen Gegebenheiten gemacht und sich für die geographische Namensgebung ein eigenes System entwickelt, welches den Leser in die fernen Länder versetzt.

Auch die Magie folgt einem eigenen Schema: neben der normalen Magie existiert die Steinmagie als höchste Stufe des Könnens. Einst wurden vom Drachen Tian Tsen 7 Magier in das Wesen der Steinmagie eingeführt – dies waren die Wurishi und nur sie und ihre Schüler dürfen diesen Titel tragen. Doch sie sind keineswegs Alleskönner. Sehr intensiv wird beschrieben, welchen Preis Yu für seine Zauber zahlen muss und auch die Regeneration seiner Kräfte nach solchen Anstrengungen braucht Zeit.

Im Laufe der Geschehnisse wachsen aber Yus Fähigkeiten und auch er selbst wird selbstbewusster. Zwar ist er der jüngste der Gefährten und hat entsprechend weniger Erfahrungen, welche er am abendlichen Lagerfeuer zum Besten geben könnte, aber je mehr sie gemeinsam erleben, desto mehr lernt Yu von seinen Freunden und erweist sich als fester Bestandteil der Gruppe. Obwohl die Geschehnisse zumeist aus Yus Sicht geschildert werden, erfährt man in Rückblenden und Gesprächen auch viel über das Schicksal seiner Gefährten, wodurch sie plastischer erscheinen.

Obwohl Kämpfe unvermeidlich sind, lässt sich der Autor nicht zu Splatterorgien hinreisen, sondern schildert nur das Notwendige, damit der Leser von den Geschehnissen erfährt. Besonders beeindruckend war die Schilderung der Schlacht von Wuchao, in der alle Steinmagier außer Yu umkamen. Dieser erlebt den Fortgang nur indirekt, indem er in Sicherheit der Festung der Steinmagier miterlebt, wie die Seelenstatuen, die Steinmagier anfertigen, um Unsterblichkeit zu verleihen, eine nach der anderen zerspringen und damit vom gewaltsamen Todes derjenigen Person verkünden. Solch eine intensive Schilderung einer Schlacht habe ich bisher noch nicht gelesen.

Ein Punkt, den ich auf alle Fälle noch erwähnen möchte, ist der Aufbau des Buches. Im Prolog unterrichtet Wurishi Yu am Hofe der Kaiserin deren Enkel. Als Belohnung darf der 5jährige zwischen einem Zauberstein und einer Geschichte wählen und er wählt die Geschichte. So erzählt Yu also, wie er und seine Gefährten damals die Kaiserin befreit habe. Damit steht von Anfang an fest, dass Yus Mission erfolgreich sein wird, es geht nur noch um das Wie. Für manche mag dies viel von der Spannung nehmen, doch mir gefiel diese Herangehensweise sehr gut. Außerdem musste man sehr wohl fürchten, dass einen der lieb gewonnenen Gefährten, mit Ausnahme von Yu, das Zeitliche segnet. Für Spannung war daher trotz des Prologs reichlich gesorgt.

Ebenso viele Geschehnisse bleiben aber auch unerzählt, so dass noch genügend Stoff für einen weiteren Roman um den letzten Steinmagier besteht. Dennoch weist das vorliegende Buch ein abgeschlossenes Ende auf und lässt den Leser nicht in der Luft hängen.

Als Manko muss aus meiner Sicht erwähnt werden, dass gegen Ende ein wenig zuviel Romantik verbreitet wurde. Ebenso hätte ich mir eine Karte gewünscht, um die Reise der Gefährten verfolgen zu können. Insgesamt fallen diese beiden Dinge jedoch nicht sehr ins Gewicht, so dass ich guten Gewissens 4,5 von 5 Steinkriegern vergebe.

Erwähnenswert ist noch, dass auf leserunden.de eine Leserunde mit Autorenbegleitung stattfand, die bei Bedarf nachgelesen werden kann. Ebenso hat James dort eine Namensliste zur Verfügung gestellt.

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