Neil Gaiman – American Gods

Shadow zählt die Tage, bis er endlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Seltsamerweise wird er 2 Tage vor seiner Freilassung ins Büro des Direktors gerufen, wo ihm mitgeteilt wird, dass seine Frau bei einem Verkehrsunfall starb und er deswegen sofort entlassen wird.

Betäubt setzt sich Shadow ins Flugzeug, was ihn nach Hause bringen soll. Dort lernt er Mr. Wednesday kennen, der ihm einen Job anbietet, welchen Shadow nach einigem Hin und Her auch annimmt. Damit wird er in einen Strudel mysteriöser Geschehnisse hineingezogen, denn sein neuer Arbeitgeber ist kein geringerer als der nordische Allvater Odin. Dieser eröffnet Shadow, dass viele alte Götter aus Europa, Afrika und Asien von Einwanderern mit nach Amerika gebracht wurden, wo sie nun ein tristes Dasein fristen, von der Welt fast vergessen. Mit den neuen Göttern des Fernsehens, der Kreditkarte und des Autos treten Feinde auf, die die alten Götter vernichten wollen.

Während Mr. Wednesday versucht, so viele alte Götter zum Kampf zu überreden, wie er nur kann, wird Shadow von seltsamen Träumen und seiner toten Frau, die keine Ruhe findet.

Dieser höchst interessante Plot wird von einem neutralen Erzähler mit Einsichten in Shadows Gedanken- und Gefühlswelt dargebracht. Man erfährt viel über das Seelenleben des Ex-Sträflings und seinem Befremden gegenüber der Welt der Götter, aber auch über die Gründe, warum er Wednesday dient und nur wenig Fragen stellt. So tauchen in seinen Gedanken immer wieder Erinnerungen an das Gefängnis und seine Lektionen auf, die ihn vor allem gelehrt haben, den Kopf unten und sich selbst bedeckt zu halten – wie der Schatten, der er schon als Kind war.

Immer wieder eingestreut finden sich Rückblicke in die Zeit von 14.000 v.Chr. bis ins 18. Jahrhundert, als Menschen nach Amerika kamen und wie sich mit ihrem Glauben und Ritualen die Götter ebenfalls über das große Wasser mitbrachten. So wird unter anderem Odins Geschichte enthüllt und auch erklärt, wie die Götter von den Menschen abhängig sind.

Dann überschlagen sich die Ereignisse und Wednesday wird während einer Friedensverhandlung von den neuen Göttern ermordet. Was er im Leben nicht erreicht hatte, vollbringt sein Tod: die alten Götter schließen sich zusammen, um zu kämpfen. Währenddessen erweist Shadow Odin die letzte Ehre und übernimmt die Totenwache. Was er während dieser Zeit erfährt, wirft allerdings all sein Wissen über die Welt der Götter über den Haufen.

So bleibt es spannend bis zum Schluss und man kann das Buch erst dann aus der Hand legen, wenn man wirklich die letzten Zeilen gelesen hat. Allerdings hat Gaiman in seinen Götterroman interessante Gedanken untergebracht, die den Leser auch noch nach Beendigung der Lektüre beschäftigen können. Neben dem religiösen Aspekt ist das vor allem die Frage nach dem Leben, die Laura, Shadows tote Frau, ihm stellt.

Als kleiner Bonus ist am Ende des Buches eine Kurzübersicht über die wichtigsten Götter untergebracht, die dazu animiert, sich intensiver mit der Mythologie auseinander zu setzen.

Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Lektüre, für die ich 4,5 von 5 Donnervögeln vergebe. Den kleinen Abzug gibt es wegen einer zwischenzeitlichen Länge, die aber nicht sehr ins Gewicht schlägt.

Bei Gelegenheit werde ich nach „Anansi Boys“ Ausschau halten, welches lose mit „American Gods“ verknüpft ist und im selben Universum spielt, allerdings mit anderen Protagonisten.

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