Jay McInerney – Bright lights, big city

Ein Mann, geschätzt Ende 20, Anfang 30, lebt in New York, erlebt wenige Höhen und viele Tiefen. Wer dieser Mann ist, wie alt er ist, das erfährt der Leser nicht, denn der Leser ist dieser Mann!

Während des Lesens habe ich teilweise das Buch mit „Vollidiot“ von Tommy Jaud verglichen, doch kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, war mir klar, dass der Vergleich hinkt. Inhaltlich gibt es gewisse Ähnlichkeiten, denn in beiden Büchern versucht der Protagonist sein Leben auf die Reihe zu bekommen und schlittert dabei eigentlich nur von einer Katastrophe zur nächsten. Doch stilistisch gibt es ziemlich starke Unterschiede. Während mir der Vollidiot einfach nur auf die Nerven ging, konnte ich mich in den unbekannten Mann aus New York sehr gut hineinversetzen, seine Verzweiflung mitfühlen und auch seinen Wunsch verstehen, zu vergessen und neu anzufangen. Wichtigste Ursache dafür war die Erzählweise, denn die Geschichte ist in der „Du-Form“ geschrieben, als ob der Autor dem Leser erzählt, was dieser gerade tut und denkt. Dadurch wird auch ein tiefer Einblick in das Gefühlsleben des Protagonisten ermöglicht, welcher durch die häufige Schilderung von Gedanken und Gefühlen verstärkt wird.

Auch herrscht in diesem Buch ein viel pessimistischerer Tonfall als in „Vollidiot“. Die Probleme, mit denen der Protagonist zu kämpfen hat und die er teilweise selbst verursacht, sind größer und z.T. auch von selbstzerstörerischer Art. So wird der Drogenkonsum ausführlich geschildert, ebenso wie die dadurch entstehenden Konflikte. Um den Konflikten aus dem Weg zu gehen, gibt es noch mehr Drogen, nur um eine Weile vergessen zu können. Hoffnung auf einen Ausweg aus diesem Teufelskreis gibt es keine, denn so oft auch der Protagonist zur Entscheidung kommt, noch einmal von vorn anzufangen und es diesmal richtig zu machen, so oft fällt er in seine alten Verhaltensmuster zurück.

Ich vergebe für dieses Buch 4 von 5 Vodkas und denke, dass es nicht mein letztes Buch von diesem Autor sein wird.

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