Hektor Haarkötter – Der Bücherwurm

Der Untertitel „Vergnügliches für den besonderen Leser“ suggeriert, dass der literarische Bücherwurm auf amüsante Art und Weise vorgestellt und verschiedene Anekdoten über sein Wirken erzählt werden.

Leider wird der Bücherwurm aber viel zu wörtlich genommen und dem Leser werden alle möglichen Arten von Schädlingen vorgestellt, die in Büchern und Bibliotheken zu finden sind. Als ein Aspekt des Themas wäre dies sehr interessant gewesen, doch in dieser Menge und wissenschaftlichen Ernstheit war es zu viel. Zwar wird auch auf einige literarische Werke Bezug genommen, aber dieser Teil ist für meinen Geschmack zu dünn ausgeprägt.

Lobend erwähnen muss ich die Aufmachung des Buches: die Ausführungen werden gelegentlich von passenden Abbildungen ergänzt und auf vielen Seiten ist in Art eines Wassserzeichens eine Illustration von einem Bücherwurm oder anderem Schädling abgedruckt.

Insgesamt gesehen hat das Buch einige interessante Informationen über Bücherschädlinge zu bieten, die jedoch dem Untertitel in meinen Augen nicht gerecht werden und meine Erwartungen enttäuscht haben. Daher kann ich nur 2 von 5 Schädlingen vergeben.

Alexander von Schönburg – Lexikon der überflüssigen Dinge

Ausnahmsweise werde ich an dieser Stelle mal auf den Klappentext zurückgreifen:

Bürotassen, Events, Dekotomaten, Horoskope, Nagellack, Pikkolöchen, Konformismus, Vitamintabletten – wohin wir auch blicken: Überflüssiges. In diesem Lexikon ist es versammelt. Die Liste reicht von A (wie “Abschiede, ohne zu gehen”) bis Z (wie “Zigarette danach“), auf dem Prüfstand stehen Geisteshaltungen wie “Geiz” und “Pessimismus”, Angewohnheiten wie “Lottospielen” und Erscheinungen unserer modernen Welt wie “Chillen”, “Erreichbarkeit, ständige” oder “Wellness”. Macht man sich klar, wie überflüssig all das ist, verschafft man sich “den Genuss einer großartigen Erfindung: der Empfindung, frei zu sein. Und damit einen beträchtlichen Lustgewinn.”

Die einzelnen Beiträge dieses Lexikons, von denen einige bereits im Klappentext erwähnt werden, umfassen zwischen wenigen Zeilen und anderthalb Seiten und sind wie es bei Lexika üblich ist, alphabetisch geordnet mit Querverweisen zu verwandten Artikeln.

Bis zum Buchstaben H habe ich es geschafft, bevor das Buch in die Ecke geflogen ist. Die maßlose Arroganz und der Zynismus, den der Autor in seinen Einträgen an den Tag legt, stößt mir echt sauer auf. Allerdings vermute ich unter diesem Denkmantel zumindest auch Neid als Basis für diese verbalen Ausfälle, die sich der Autor hier leistet. Das Traurige ist jedoch, dass dieses Lexikon trotz der offenkundigen Verstöße gegen die Objektivität nicht als Parodie, sondern ernsthaft als Sachbuch daherkommt.

Da das Lexikon selbst für mich selbst überflüssiger ist als alle darin erwähnten Dinge, kann und werde ich dafür nicht einen einzigen Punkt vergeben. Das war echt gar nichts!

Frank Schätzing – Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Als Schätzing für seinen Wissenschaftsthriller „Der Schwarm“ recherchiert hat, hat er sich viel Wissen angelesen, von dem er nach eigener Aussage aber nur 10-20% in seinem Roman verarbeiten konnte. Bei einem Gläschen und einem Schwatz mit seinem Verleger und dem Herausgeber einer populär-wissenschaftlichen Zeitung kam die Idee auf, aus diesem brachliegenden Wissen ein kleines Begleitbuch zum Schwarm zu generieren. Aus dem dünnen Bändchen wurde ein dicker Brocken mit über 600 Seiten, der doch keine Minute langweilt.

Während der erste Abschnitt „Vorgestern“ nur wenige Seiten umfasst und im Wesentlichen als Einleitung fungiert, umspannt der zweite Teil „Gestern“ über ein Drittel des Buches und mehrere Hundertmillionen Jahre. Um über das Leben in den Meeren zu schreiben, so Schätzing, müsse man bei der Entstehung der Meere beginnen und das wiederum wird von der Entstehung unseres Planeten und des Universums insgesamt beeinflusst. Im Schnelldurchlauf erleben wir so die Zeit bis zur Entstehung der ersten organischen Verbindungen an sog. Schwarzen Rauchern. Über Einzeller und Vielzeller entwickelt sich das Leben in den Meeren immer weiter, schafft den Sprung an Land und einige der Landbewohner zieht es zurück ins Meer. Obwohl das Leben an der Erdoberfläche nicht völlig ausgeklammert wird, liegt das Hauptaugenmerk immer auf den Wasserbewohnern in allen Erdzeitaltern.

Nach der aufregenden Zeitreise verweilt Schätzing im dritten und längsten Abschnitt, der beinah die Hälfte des Buches einnimmt, im „Heute“, beschreibt das Ökosystem Meer, seine Bewohner – die Größten und die Kleinsten – und wie der Mensch in dieses fragile System eingreift. Obwohl er hier eindeutig Position bezieht und seiner Meinung deutlich Ausdruck verleiht, kam ich mir nie belehrt vor oder gar von der Moralkeule erschlagen.

Im vierten Abschnitt „Morgen“ werden einige Zukunftsvarianten vom Leben auf, mit und unter dem Meer vorgestellt sowie Überlegungen angestellt, unter welchen Bedingungen sich Leben auf anderen Planeten entwickeln könnte und wie es beschaffen sein könnte. Dabei sind die Hypothesen aus meiner Sicht nicht abgehoben, sondern basieren auf dem derzeitigen Wissenstand. Angesichts dieser Ausblicke war ich gespannt, was im Abschlusskapitel „Übermorgen“ noch präsentiert würde, doch statt noch fernere Planeten zu besuchen kehrte Schätzing auf die Erde zurück mit der Frage, was wäre Übermorgen, wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher.

Mit diesem im Vergleich sehr ernsthaften Schlusswort überlässt Schätzing seine Leser ihren eigenen Gedanken. Im Übrigen weiß er jedoch mit einem amüsanten, stellenweise flapsigen Erzählton zu unterhalten und eingestreute thrillerartige Schilderungen lassen keine Langeweile aufkommen. Auf diese Art und Weise lernt man gern noch etwas dazu und dafür vergebe ich 4 von 5 Trilobiten.

Ray Howgego – Das Buch der Entdeckungen

In diesem Sachbuch stellt Howgego die lange Geschichte der Entdeckungsreisen chronologisch von ihren Anfängen im 15. Jahrhundert v. Chr. bis zu der Erkundung der letzten weißen Flecken auf der Landkarte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor.

Wie Howgego in seiner Einleitung erläutert, stellt er die jeweilige Entdeckungsfahrt auf einer Doppelseite vor, wobei die Hälfte des Platzes von einer passenden Abbildung eingenommen wird. Die eigentlichen Texte sind dabei so konzipiert, dass man sie einzeln und ohne Vorkenntnisse lesen kann, so dass man munter im Buch hin und her springen kann. Durch diesen Aufbau sind jedoch auch einige Wiederholungen vorprogrammiert, die denjenigen Lesern auffallen, die sich der Reihe nach durch das Buch arbeiten.

Obwohl die Abbildungen, die die einzelnen Texte illustrieren, manchmal Kartenskizzen der Gebiete darstellen, durch die sich die Forscher bewegt haben, habe ich oftmals eine Übersichtskarte vermisst, auf der man den Erkundungsreisen folgen konnte. Durch den streng chronologischen Aufbau des Buches wird munter zwischen den einzelnen Kontinenten gewechselt, so dass sich die Orientierung zusätzlich erschwert hat. Kaum wusste ich ungefähr, in welchem Gebiet ich mich gerade aufhalte, kam wieder ein Ortswechsel und meist war ich erst einige Seiten wieder zurück im gleichen Gebiet und durfte mir den Anknüpfungspunkt zur früheren Expedition mühsam suchen und nicht immer wurde ich fündig.

Insgesamt gesehen bietet das Buch einen guten zeitlichen Überblick über die Entdeckung unseres Planeten, wobei der streng chronologische Aufbau einige Schwierigkeiten mit sich bringt, die durch einige Übersichtskarten hätten vermindert werden können. Dafür gibt es von mir Punktabzug, so dass ich auf 3,5 von 5 Expeditionen komme.

Karen Farrington – Religionen der Welt

Bei diesem Sachbuch handelt es sich um einen großformatigen und reich illustrierten Band. In insgesamt 7 Kapiteln werden 7 verschiedene Kontinente/geografische Regionen und die dort existierenden Religionen vorgestellt. Dabei wird sowohl auf vergangene Religionen als auch auf moderne Glaubensrichtungen eingegangen. Auf jeweils einer Doppelseite wird ein Thema vorgestellt, wobei manchen Religionen (gerade den großen 3 Weltreligionen) mehrere Themen gewidmet sind. So gibt es beispielsweise beim Judentum u.a. eine Doppelseite über die Entstehung, über Mose und den Exodus, über die Anfänge Israels, die jüdischen Traditionen und die Rolle der Synagoge.

Die Texte sind größtenteils leicht verständlich geschrieben und bieten eine kurze Zusammenfassung der hauptsächlichen Inhalte der jeweiligen Religion bzw. Glaubensgemeinschaft. Manchmal wird aber so viel Inhalt versucht auf einer Doppelseite zusammenzufassen, dass es etwas ins Namedropping abrutscht.

Gut gefällt mir, dass auch auf kleinere und eher unbekannte Glaubensrichtungen eingegangen wird, z.B. die Quäker, den Schamanismus oder die Hare-Krishna-Sekte. Selbst bei umstrittenen Gemeinschaften bleiben die Texte zumeist objektiv und stellen auf den ursprünglichen Glauben ab. Was heute daraus geworden ist (z.B. bei den Zeugen Jehovas), wird dabei nicht thematisiert. Die einzige Ausnahme ist die Mun-Sekte, bei der sehr deutlich auf die dubiosen wirtschaftlichen Hintergründe eingegangen wird.

An manchen Stellen fand ich, dass die verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen etwas zu dominant waren, z.B. beim Kapital über Nordamerika. Dem Glauben der Indianerstämme wurde gerade einmal eine Doppelseite gewidmet, während den Pilgervätern, den Mormonen, den Zeugen Jehovas und der christlichen Wissenschaft jeweils ein eigenes Thema gewidmet wurde. Als Ausgleich dazu ist das Kapitel über Asien sehr vielfältig angelegt und bezieht sich überhaupt nicht auf das Christentum.

Die Texte sind mit vielen Bildern, Fotos und Zeichnungen illustriert und zu Beginn jedes Kapitels gibt eine große Karte einen Überblick über die jeweilige Region und die dort existierenden Religionen.

Insgesamt gesehen, kann ich das Buch jedem weiterempfehlen, der sich einen kurzen Überblick über die vielfältigen Glaubensrichtungen unsere Welt verschaffen möchte. Für tiefgründige Einblicke fehlt jedoch der Platz, da das Buch nur ca. 180 Seiten hat, so dass man sich bei Interesse an bestimmten Glaubensrichtungen weiterführende Literatur besorgen müsste. Von mir gibt es 3,5 von 5 Reliquien.

Otto A. Böhmer – Sternstunden der Literatur. Von Dante bis Kafka

Laut Klappentext erzählt Böhmer in diesem Buch von „prägnanten Momenten im Leben großer Dichter und Schriftsteller und von den Werken, die in solchen Sternstunden ihren Ursprung haben.“ Gut, dass das so explizit gesagt wird, denn aus den einzelnen Texten konnte ich das nicht immer herauslesen.

Obwohl ein kurzer Abriss des Lebens des jeweiligen Autoren sinnvoll ist, hebt sich die jeweilige „Sternstunde“, die als Inspirationsquelle für das herausragende Werk des Autoren diente, kaum von der Schilderung des Lebenslaufes ab und zumeist schafft es Böhmer sogar nur, das Gesamtwerk des Autoren in Verbindung zu dessen Leben insgesamt zu setzen. Dies entspricht in meinen Augen jedoch nicht dem, was vollmundig im Vorwort angekündigt wird, sondern erscheint mir eher wie eine sehr verkürzte Darstellung der für die Interpretation der Werke des jeweiligen Autors notwendigen Hintergrundinformationen, wie man sie im Unterricht gebrauchen könnte.

Böhmers ausschweifender Schreibstil trägt nicht dazu bei, den Ausführungen in den nicht einmal 10seitigen Essays besser folgen zu können. Zudem haben die Zitate der porträtierten Schriftsteller einen zu großen Umfang. Stellenweise machen sie bis zur Hälfte des gesamten Textes aus, so dass noch weniger Raum für die Darstellung der „Sternstunde“ verbleibt als ohnehin schon.

Die Zusammenstellung der insgesamt 17 vorgestellten Schriftsteller soll vermutlich objektiv sein, doch waren für meinen Geschmack die deutschsprachigen Literaten übermäßig stark vertreten. Bezeichnend ist außerdem, dass keine einzige Autorin für würdig befunden wurde, in die Zusammenstellung aufgenommen zu werden.

Angesichts dieser Kritikpunkte verwundert es wohl nicht, dass ich auf gerade einmal 1 von 5 Inspirationen komme.

Giles Milton – Samurai William (Zwischenbericht)

Mit diesem Buch bin ich jetzt schon eine Weile beschäftigt, habe aber erst rund 1/3 gelesen. Inhaltlich geht es um die historische Vorlage des Navigators Blackthorne aus James Clavells Roman “Shōgun”, William Adams, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Japan strandete und in die Auseinandersetzungen der dortigen Feudalherren untereinander und in das Intrigenspiel der Jesuiten hineingezogen.

Was Clavell auf über 1200 Seiten ausführlich schildert – wie Toranaga (= Tokugawa Ieyasu) listenreich seinen Konkurrenten Ishido (= Ishida Mitsunari) ausmanövriert und sich gegen den Regentschaftsrat durchsetzt, um schließlich das Shogunat zu erlangen – ist bei Milton innerhalb weniger Seiten abgehandelt, wobei Adams Anteil daran bei Weitem geringer ausfällt als in Clavells Verarbeitung des Stoffes. Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt ist, was hat Adams noch alles in Japan erlebt, was keinen Eingang in Clavells Roman fand? Schließlich hat Milton noch über 200 weitere Seiten gefüllt. Hoffentlich aber nicht mit weiteren Expeditionen nach Japan! Ich fand es zwar ganz nett, dass er die (gescheiterten und erfolgreichen) Reisen nach Japan vor Adams vorgestellt hat, aber das Thema seines Buches ist immer noch der Samurai William. Hoffentlich hat er das beim Schreiben nicht vergessen.

Sebastian Junger – Der Sturm

Als der Schwertfischfänger „Andrea Gail“ im September 1991 aus ihrem Heimathafen Gloucester an der nordamerikanischen Ostküste ausläuft, wird dies ihre letzte Fahrt sein. Denn im Oktober 1991 wird sich ein Sturm auf dem Westatlantik austoben, den keiner vorhergesehen hat und der mit nie zuvor gemessenen Wellenhöhen und Windstärken als „der perfekte Sturm“ in die Geschichte eingeht. In diesen Sturm gerät die „Andrea Gail“ und verschwindet spurlos.

Der Journalist Sebastian Junger hat versucht, die Spur der „Andrea Gail“ soweit wie möglich nachzuvollziehen und die letzten Tage und Stunden an Bord möglichst genau zu rekonstruieren. Wie er im Vorwort schreibt, war das Verfassen dieses Buches eine Gratwanderung zwischen technischen Details und Vermutungen. Er wollte sich so nah wie möglich an der Wahrheit halten – beziehungsweise dem, was von der Wahrheit bekannt war – aber er wollte auch nicht die persönlichen Tragödien unter einer Masse von Fachbegriffen ersticken. Das Ergebnis erfüllt diese Ansprüche in meinen Augen recht gut.

Junger hat einerseits die Hinterbliebenen der 6köpfigen Besatzung der „Andrea Gail“ besucht und sich anhand ihrer Erinnerungen ein Bild der Männer gemacht, die jedes Mal, wenn ihr Schiff auslief, damit rechnen mussten, nicht zurückzukehren. Auf der anderen Seite hat Junger Menschen interviewt, die sich in einer ähnlichen Situation wie die „Andrea Gail“ befunden hatten – mitten in einem Sturm ohne große Hoffnungen auf ein Entkommen – und dennoch überlebt hatten. Diese beiden Aspekte zusammengenommen ergeben ein sehr wahrscheinliches Bild von dem, was sich auf der „Andrea Gail“ abgespielt haben könnte, nachdem der Funkkontakt zu ihr abbrach. Ob es tatsächlich der Wirklichkeit entspricht, wird wohl nie jemand herausfinden, denn das Schiff ist im Sturm spurlos verschwunden und lediglich einige Treibstoffbehälter wurden später treibend im Wasser gefunden.

Was mir sehr geholfen hat, ein Gefühl für die Gewalt des Sturms und seine zerstörerischen Kräfte zu entwickeln, war die Einbeziehung des Schicksals anderer Schiffe und Boote. Obwohl die „Andrea Gail“ im Mittelpunkt der Recherchen stand, war es schwierig, ein halbes Buch nur auf Mutmaßungen aufzubauen. Dadurch, dass man als Leser erfuhr, wie es anderen Schiffsbesatzungen erging und welche Risiken die Rettungskräfte der National Guard eingingen, um ihnen zu helfen, wurde das Bild vielschichtiger und damit auch glaubhafter.

Die im Nachwort des Buches angesprochene Verfilmung der Ereignisse von Wolfgang Petersen und mit George Clooney in der Rolle des Kapitäns der „Andrea Gail“ unter dem Titel „Der Sturm“ konnte ich dank eines glücklichen Zufalls kurz nach Beendigung der Lektüre im Fernsehen sehen – und wurde enttäuscht. Die wenigen Stellen, an denen Film und Buch parallel verliefen, waren sehr verfremdet, besonders in der Charakterdarstellung der Besatzung, und in der restlichen Zeit wurden Hollywood-typisch ein paar Actionszenen eingebaut (der gefangene Hai, also ehrlich!), die einen nur noch mit den Augen rollend zurückließen. Da kann ich mich wirklich nur voll und ganz Martin Wolfs Aussage aus dem Nachwort des Buches anschließen: „Das PR-Getöse um Petersens Film […] hat Sebastian Jungers Buch nicht geschadet, im Gegenteil.“

Zum Glück habe ich den Film erst nach dem Buch gesehen, sonst hätte ich vermutlich einen sehr guten Tatsachenroman verpasst. Wer den Film schon kennt und von ihm ebenso enttäuscht war wie ich, dem empfehle ich daher unbedingt die Lektüre dieses Buches, die ein viel realistischeres und damit bedrückenderes Bild der damaligen Ereignisse zeichnet, ohne dabei etwas zu überzeichnen. Ich vergebe 3,5 von 5 Leuchtröhrchen.

Douglas Adams, Mark Carwardine – Die Letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde

Der Science Fiction-Autor Douglas Adams, bekannt vor allem durch seine parodistische Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“, hat gemeinsam mit dem Zoologen Mark Carwardine die verschiedensten Orte unseres Planeten aufgesucht, um sich vor Ort über den Zustand bedrohter Tierarten und ihren Schutz zu informieren. Auslöser war eine Reise nach Madagaskar, wo sie nach einer Lemurenart, dem Aye-Aye, gefahndet hatten, über den Adams einen Artikel beisteuern sollte. Während dieses Trips kam ihnen der Gedanke, ein Sachbuch der humorvollen Art über die vom Aussterben bedrohten Tiere zu verfassen. Dazu sind sie nach einiger Vorbereitungszeit unter anderem nach China zum Baiji-Flussdelphin, nach Zaire zu den Berggorillas und nach Mauritius zu den Mauritiussittichen und den Rodrigues-Flederhunden gereist.

Ihre Erlebnisse während dieser Reisen hat Adams mit seinem typischen Humor niedergeschrieben. Allerdings konnte selbst ein gelegentlicher Heiterkeitsausbruch nicht darüber hinweghelfen, welchen verheerenden Einfluss die Menschen auf ihre Umgebung haben können. So wechselten meinen Empfindungen während des Lesens regelmäßig zwischen Faszination, Freude, wenn die beiden Forscher wieder ein seltenes Tier gesichtet hatten, und Entsetzen angesichts der Situation, in welcher sich die meisten dieser Tiere befanden. Zwar wurde Adams nie müde, diejenigen zu loben, die sich für den Schutz der bedrohten Tiere einsetzen, doch meistens waren ihre Bemühungen nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Da das Buch bereits 1990 erschien, würde es mich sehr interessieren, wie sich die Situation der besuchten Tierarten mittlerweile geändert hat – ob es gelungen ist, ihre Population zu stabilisieren oder ob sie nicht mehr vom Aussterben bedroht sind, sondern dieses Schicksal schon erlitten haben.

Als einziges Manko empfand ich das gelegentliche Winken mit dem Zaunspfahl, als Adams über seine anderen Bücher sprach und welche Belastung es doch teilweise ist, ein bekannter Autor zu sein. Zum Glück hielten sich diese Stellen jedoch sehr in Grenzen.

Insgesamt ist den beiden Autoren ein informatives und sehr gut zu lesendes Sachbuch über die aussterbenden Tiere dieses Planeten gelungen, welches den Leser zum Nachdenken anregt. Abgerundet wird das Buch durch mehrere farbige Fotoseiten, auf denen Abbildungen der besuchten Tiere zu sehen sind. Ich vergebe 4 von 5 Blättern rosa Schreibpapier.

Dietrich Wildung – Weltarchitektur Ägypten

In der Architektur-Sachbuchreihe des Taschen-Verlags erschien zum 25. Jubiläum auch ein Band über die Bauwerke der antiken Ägypter. Nach einer Einleitung über die Grundformen des Bauens im alten Ägypten folgen einzelne Kapitel u.a. über die Anfänge der Totenhäuser, die Pyramiden des Alten Reichs, die Göttertempel des Neuen Reichs und die Tempel der Ptolemäer- und Römerzeit. Dabei sind die einzelnen Abschnitte chronologisch geordnet von den Anfängen der Monumentalbauten bis zu den Überbleibseln der ägyptischen Baukunst in der modernen Architektur.

Die Sprache ist gut verständlich und überfordert den Leser nicht mit Massen an Fremdwörtern. Allerdings ist sie auch nicht zu simpel gestrickt – in meinen Augen genau das richtige Maß für ein Sachbuch. Verwendete Fachausdrücke werden zudem in einem Glossar am Ende des Buches kurz erläutert.

Die Kapitel sind jeweils noch in verschiedene Abschnitte untergliedert, die helfen, die Informationen besser zu strukturieren. Zahlreiche Farbfotos sowie Auf- und Umrisse von Gebäuden und Gebäudekomplexen veranschaulichen das Geschriebene sehr gut. Etliche der Abbildungen haben A4-Format, einige Fotos gehen sogar über eine Doppelseite.

Am Ende des Buches bieten eine Zeittafel mit der gegenüberstellenden Darstellung von Bauwerken und historischen Ereignissen einen Überblick über die Architekturgeschichte Ägyptens und eine Bibliografie lädt dazu ein, sich weitere Lektüre über das Thema zu suchen.

Insgesamt gesehen bietet dieser Band einen informativen Überblick über die Architektur des alten Ägyptens in ihren verschiedenen Spielarten. Für einen Laien ist das Buch auf alle Fälle empfehlenswert und dafür gibt es von mir 4 von 5 Sphinxen.