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Archiv für die Kategorie ‘Reiseberichte’

In diesem Reisebericht geht es um eine Expedition des erfahrenen Kajak-Fahrers Mike Jones, der sich vorgenommen hat, den Dudh Kosi, der in einem Gletschersee in der Nähe des Basislagers am Mount Everest entspringt, zu befahren. Dieser Fluss gehört jedoch zu den gefährlichsten auf der Welt, da er sehr steil ist und voller Hindernisse. Trotzdem wagen sich mit ihm noch 6 andere Kajak-Fahrer auf den Fluss und riskieren dabei ihr Leben.

Zuvor liest man jedoch einiges über die Reisevorbereitungen, wie Sponsoren gewonnen werden, ein Budget aufgestellt wird und man sich Gedanken über die Zeitplanung machen muss, bis schließlich die Reise losgeht. Man merkt hier, dass das Buch bereits einige Jahre alt ist, denn heute ist es nicht mehr möglich, einfach so per Auto von England bis zum Himalaya zu fahren, quer durch Europa und den Nahen Osten inkl. Freiluftübernachtung in Afghanistan. Das tut der Faszination aber nicht unbedingt Abbruch sondern verbreitet eher einen etwas angelaufenen Charme.

Im Himalaya angekommen ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Die Wanderung bis an den Dudh Kosi heran und wie sie dann den Fluss bezwingen wollen, liest sich spannend und obwohl ich die ganzen Fachausdrücke aus dem Kajak-Sport nicht kenne, konnte ich mir ein ungefähres Bild der Aufgabe machen, die vor den Jungs lag (das Glossar am Ende habe ich erst nach der Lektüre entdeckt). Wie sehr sich die Sportler hier auf ihr eigenes Geschick und ihre Kameraden verlassen müssen, hat mich ziemlich beeindruckt – da bleibt kein Spielraum für Eitelkeiten und Alleingänge.

Gut gefallen hat mir auch, dass wirklich die sportliche Herausforderung im Mittelpunkt stand und nicht einmal die Marke des Kaffees erwähnt wird, den die Expedition eingepackt hat. Von Nepal und seinen Bewohnern erfährt man nur am Rande etwas, halt die kleinen Einblicke, die sich ergeben, wenn man in einem Teehaus einkehrt. Das rundet den Expeditionsbericht gut ab ohne ihn zu überlagern. Schließlich soll hier ein Weltrekord aufgestellt und keine Volkskunde betrieben werden.

Insgesamt ist es ein nettes Buch für zwischendurch, dass aber nicht zum Nachmachen einlädt. Denn wie gefährlich der Kajaksport sein kann, wird durch eine kleine Bemerkung am Ende des Buches bestätigt, die den Tod des Autors während einer Expedition zum Karakorum zwei Jahre später enthüllt. Ich vergebe 3 von 5 Walzen.

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Der deutsche Journalist Christian Hannig hat schon viele Flecken unserer Erde mit dem Fahrrad bereist und darüber Bücher verfasst. In diesem Reisebericht geht es um seinen Abstecher nach Irland. Ausgehend von der Hauptstadt der Republik Irland, Dublin, an der Ostküste bricht Hannig entgegen dem Uhrzeigersinn zu einer Inselumrundung auf und macht schon bald unangenehme Erfahrungen in Nordirland, dass durch den seit Jahrzehnten währenden Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten ausgeblutet wird. Erleichtert, dieser trostlosen Gegend entkommen zu sein, erfreut er sich der Schönheit der Natur an Irlands Westküste und entdeckt beinah unberührte Landstriche abseits der Touristenpfade.

Während Hannig bergauf und bergab durch Irland radelt, macht er immer wieder die Bekanntschaft der örtlichen Bevölkerung. Als erster Anknüpfungspunkt für Gespräche dient des Öfteren die ungewöhnliche Wahl seiner Fortbewegung und nicht selten enden diese Unterhaltungen mit einer Einladung. Die Einblicke, die Hannig in die Mentalität der Iren erhält, zeigt ihm und den Lesern kein reiches Volk, doch ungebrochener Stolz bewahrt die Menschen davor, sich einfach aufzugeben.

An der einen oder anderen Stelle muss sich Hannig dann doch von seinen einsamen Nebenstraßen abwenden und sein Glück auf den viel befahrenen Highways zu den Touristenmagneten begeben, denen er jedoch nur wenig abgewinnen kann. Seine abschätzige Meinung gegenüber denjenigen Besuchern Irlands, die es nur auf einen Hauch pseudo-irischer Atmosphäre abgesehen haben, bestätigt sich leider viel zu häufig. So bemerkt er in seinem Nachwort, dass ein authentisches Pub, welches er lobend in seinem Reisetagebuch erwähnt hat, sich nur wenig später vor Touristenscharen nicht mehr retten konnte und für die Einheimischen verloren ging. Unterdessen nun dort „echte irische Volksmusik“ aus der Stereoanlage dröhnt, hat die irische Seele des Pubs das Weite gesucht.

Mit einem informativen Nachwort, dass neben einem kurzen Exkurs zur irischen Geschichte vor allem wertvolle Tipps zur Irlands Straßen, dem Wetter und der richtigen Ausrüstung für solch eine Expedition gibt und damit die Leser einlädt, ihre eigenen Rad-Abenteuer auf der grünen Insel zu erleben, wird das Buch angenehm abgerundet. Hingegen fällt der Einstieg ins Buch sehr abrupt aus. Obwohl das erste Kapitel mit „Sprung in die Geschichte“ betitelt ist, fehlte mir eine geraume Zeit die Orientierung – laß ich eine Einleitung mit einer Kurzfassung der Reise oder war dies schon das eigentliche Reisetagebuch? Immerhin hat mir die Karte zu Beginn des Buches, auf der die Reiseroute verzeichnet ist, wertvolle Dienste erwiesen und anhand des Verhältnisses von Seitenzahl zu Reisefortschritt wurde mir dann auch nach und nach klar, dass es keine Einleitung gibt sondern der „Sprung in die Geschichte“ wörtlich zu nehmen ist.

Für den etwas unglücklichen Einstieg in das Buch gibt es Punktabzug, der allerdings durch die Ergänzung des Reiseberichts durch einige schöne Schwarz-Weiß-Fotos beinah wettgemacht wird. Insgesamt komme ich auf 3,5 von 5 rolling hills.

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Der britische Autor Barry Unsworth hat sich in seinen zahlreichen Romanen zumeist mit historischen Themen befasst. Kurz bevor er gemeinsam mit seiner Frau zu einer Urlaubsreise nach Kreta aufgebrochen ist, hat er sich mit der Geschichte der griechischen Insel beschäftigt. Während er selbst schreibt, dass er seine Frau streckenweise mit seinen Ausführungen gelangweilt hat, profitiert der Leser von diesen Hintergrundinformationen, so dass im vorliegenden Reisebericht nicht nur die Gegenwart Kretas beleuchtet wird, sondern auch die Vergangenheit Gestalt annimmt.

Die Reise beginnt im Westen der ca. 260 km langen Insel, wo die beeindruckenden Lefka Ori („Weiße Berge“) aufragen, einer der vier höchsten Erhebungen auf Kreta. In einer der zahlreichen Höhlen, die die Gebirgsketten Kretas durchziehen, soll griechischen Sagen zufolge der Göttervater Zeus geboren und von seiner Mutter Rhea versteckt worden sein, damit er nicht von seinem Vater Kronos getötet werde. Welche Höhle tatsächlich Zeuge dieses bedeutenden Ereignisses geworden ist, ist unter den Einheimischen umstritten. Um aber die Touristenströme ausgiebig zu melken, wird eine Höhle als Geburtsstätte ausgewiesen, während die andere infrage kommende Höhle als Heimstatt des jungen Zeus angepriesen wird.

Mit vielen solchen Anekdoten im Gepäck bereisen Unsworth und seine Frau erst den Westen der Insel (u.a. mit einem Abstecher zur Samaria-Schlucht als einer der längsten Schluchten Europas), ehe sie sich der Inselmitte mit der Hauptstadt Heraklion und den Ausgrabungen von Knossos zuwenden, wo sich der Tourismus viel stärker bemerkbar macht. Im Osten der Insel, an der Mirabello-Bucht bringt Unsworth schließlich ein Beispiel, welche Zerstörungskräfte mit der touristischen Erschließung einhergehen können. So ist es an manchen Stellen praktisch unmöglich, bis ans Ufer zu gelangen, da überall nur hässliche Betonklötze aufragen und große Mauern die Hotelanlagen absperren, ihre Gäste einsperren und alle anderen aussperren. Von der dort früher blühenden Natur ist kaum noch etwas zu sehen.

Trotz solcher Verunstaltungen des Landschaftsbilds ist Unsworth von der Insel begeistert und das liest man auch aus jedem Wort heraus. Für Leser wie mich, die Kreta nur aus der Ferne kennen, weckt dieses Büchlein die Reiselust und nur zu gern möchte ich das, worüber ich hier gelesen habe, mit eigenen Augen sehen. Doch auch für solche Leser, die selbst schon auf Kreta waren, dürfte es neben dem Schwelgen in Erinnerungen noch Neues zu entdecken geben. Ich vergebe 4,5 von 5 Klosterruinen.

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Der Extrembergsteiger Rick Ridgeway und drei seiner Freunde machen sich auf, um zu Fuß und nur mit jeweils einem Karren für den Transport ihrer Ausrüstung und Vorräte als technisches Hilfsmittel die Kalbungsplätze der Tschirus, der Tibetantilopen zu finden, die nach dem sprunghaften Anstieg nach sündhaft weichen und leichten Shahtoosh-Schals beinah ausgerottet wurde, um an ihre Wolle zu gelangen. Einzig der Nachweis, wo genau die Kalbungsplätze der Tiere liegen und wie ihre Route dorthin verläuft, könnte die chinesische Regierung dazu bewegen, ein Naturschutzgebiet rings um dieses Areal zu errichten. Mit dieser Mission vor Augen begeben sich die vier Männer auf die rund 450 Kilometer lange Reise durch eine der abgelegensten Gegenden der Welt im westlichen Hochland von Tibet.

Wie genau Ridgeway nun eigentlich auf die Idee gekommen ist, diese Expedition durchzuführen, habe ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen, aber was er damit zu erreichen gedenkt, ist der Erhalt der Tschirus und die Ächtung der Shahtoosh-Schals, die sich insbesondere in der High Society größter Beliebtheit erfreuen. Das ist an und für sich ein lobenswertes Ziel und er untermauert die Notwendigkeit, etwas zu unternehmen, mit dem Bericht, was sie selbst auf ihrer Reise erlebt haben, und mit der Wiedergabe von den Erlebnissen anderer Forscher. Aber in so geballter Form fühle ich mich einfach von der Moralkeule erschlagen, die Ridgeway in diesem Buch gezückt hat. Es wäre in meinen Augen eindringlicher gewesen, wenn er statt gefühlten fünf Dutzend mal den Namen des Kaffeeherstellers zu erwähnen, der ihre Reise mitgesponsert hat, sich auf ihre eigenen Erlebnisse während der Suche nach den Kalbungsplätzen konzentriert hätte und es dem Leser überlassen hätte, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Diese Bevormundung des Lesers und der exzessive Gebrauch der Moralkeule haben mir die Lektüre gründlich vergällt. Ohne dies wäre es ein guter Reisebericht geworden, der von einigen Farbfotos in der Buchmitte und einer Karte am Anfang gut ergänzt worden wäre. So aber bleibt von der soliden Basis nicht viel übrig und das bisschen ist mir gerade noch 1,5 von 5 Ballonreifen wert.

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John Hare ist ein englischer Journalist und Abenteurer, der sich der Rettung der letzten wilden Kamele in den Einöden der chinesischen Wüste Gashun Gobi verschrieben. Um auf die Situation dort aufmerksam zu machen, unternahm er im Winter 2001/2002 eine Expedition auf den Spuren des berühmten Forschers Hanns Vischer und zog nur mit Kamelen als Transporttieren über 2.800 km vom Norden Nigerias bis nach Tripolis an der Mittelmeerküste. Auf dieser Reise beruht das Buch “Verwehte Spuren”.

Dieser Reisebericht hier schildert frühere Reisen Hares aus den Jahren 1993 bis 1997, als er die ersten Begegnungen mit Wildkamelen hatte und von der Faszination angesteckt wurde, die sie verbreiteten, indem sie in völlig unwirtlichen Gegenden überlebten.

Auf insgesamt 4 verschiedenen Reisen in die mongolische und chinesische Gashun Gobi wagte sich Hare mit seinen Expeditionen in die Einöde vor und erforschte die Wanderwege der Wildkamele sowie die Bedrohungen, denen sie durch Jäger, sich ausbreitende Siedlungsgebiete der ansässigen Nomaden und die Verwässerung ihres Erbgutes durch zahme Hauskamele ausgesetzt waren.

Hare selbst musste sich auf seinen Reisen jedoch nicht nur mit den Gefahren der Wüste auseinander setzen, sondern auch mit den unterschiedlichen Ansichten, Gewohnheiten und Marotten seiner Mitreisenden. Insbesondere was die Qualität ihrer Ausrüstung anging musste Hare einige unangenehme Überraschungen wegstecken, doch er beschreibt diese Situationen zumeist mit einer Prise trockenem Humor, so dass man darüber schmunzeln kann.

Gelungen fand ich, dass er immer wieder auf frühere Expeditionen in diese Gegend verwies, aus ihren Reiseberichten zitierte und ihre Erlebnisse verglich. Da diese Gegend unseres Erdballs nur spärlich erforscht wurde, konnte sich Hare gelegentlich sogar ernsthaft fragen, ob er nicht der erste westliche Mensch war, der diese oder jene Stätte zu Gesicht bekam.

Einige Farbfotos in der Mitte des Buches sowie eine Karte zu Beginn, auf der die Routen der Expeditionen von 1995, 1996 und 1997 eingezeichnet sind, runden das Buch gemeinsam mit einer kurzen Bibliografie ab. Bei Interesse kann man sich auf der Homepage der Wild Camel Protection Foundation mehr über die Reisen von John Hare und die Bemühungen zum Schutz des Wildkamels informieren.

Von mir erhält dieses Buch 3 von 5 russischen Lastwagen, da es auf unterhaltsame Weise über die Lage der Wildkamele in China informiert hat. Allerdings konnte Hare nicht die von ihm selbst empfundene Dringlichkeit vermitteln, etwas für das Überleben der Wildkamele zu unternehmen und so bleibt lediglich ein anschaulicher Reisebericht übrig.

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Der brititsche Journalist und Umweltschützer John Hare, welcher sich für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Wildkamels in Asiens Weiten einsetzt, unternahm im Winter 2001/2002 eine Reise von Kukawa in Norden Nigerias über 2.800 km bis nach Tripolis an der Mittelmeerküste. Die Gründe für diese Reise sind vielfältig: einerseits wollte er durch diese Reise Aufmerksamkeit erregen, um mehr Unterstützung für die Wild Camel Protection Foundation zu erhalten, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört; andererseits wollte er der Route des berühmten Forschers Hanns Vischer, welcher einst per Kamel von Tripolis nach Süden gereist war, in umgekehrter Richtung folgen.

Nach zahlreichen diplomatischen Hürdenläufen lagen die meisten der benötigten Dokumente, Visa und Erlaubnisse vor, so dass die Reise am 25. Oktober 2001 endlich starten konnte. Da Hare in seiner Jugend in Nordnigeria gelebt hatte, kannte er Land und Leute, was ihm die Verständigung mit ihren Helfern, den Kameltreibern und ihren Führern sowie den ansässigen Menschen sehr erleichterte. Weitere Begleiter Hares, u.a. ein chinesischer Doktor und zeitweilig ein National Geographic-Fotograf, bereicherten die Gruppe, so dass die kleine Karawane zu Beginn aus stolzen 25 Kamelen bestand.

Die Reise war jedoch hart, denn während man mit dem Auto die Strecke in einigen Tagen hätte bewältigen können, brauchte Hare über 3 Monate und kam erst am 1. Februar in Mizda an. Unterwegs wurde ihr Leben neben den diversen Begegnungen mit Beamten der verschiedenen Staaten, deren Territorien sie betraten, vor allem von der ständigen Vorratsbeschaffung bestimmt. Obwohl Kamele genügsame Tiere sind, brauchen sie dennoch Nahrung, um ihre Reiter und Lasten weiter zu tragen. Da die alte Route, der einst Vischer gefolgt war, nicht mehr in Benutzung ist, geriet die Expedition mehrmals in ernsthafte Schwierigkeiten, aus denen sie durch Zufall und die Hilfe der Bevölkerung jedoch heil herauskamen.

Auch Vischer hatte knappe 100 Jahre zuvor diverse Probleme zu meistern, als er der ehemaligen Sklavenroute quer durch den afrikanischen Kontinent folgte. Hare erinnert sich während seiner eigenen Reise an Bilder, Zeichnungen und Fotos, die Vischer gezeichnet bzw. aufgenommen hatte und er zitiert aus den Erinnerungen seines Vorbilds. Diese Rückblenden sind an den jeweils passenden Stellen eingefügt, so dass man als Leser einen guten Vergleich zwischen den beiden Expeditionen hat. Eine Karte, auf der die Route der beiden Forscher und Abenteurer verfolgt werden konnte, ist eine nützliche Ergänzung.

Insgesamt ist Hare ein flüssig lesbarer und anschaulicher Bericht seiner Reise gelungen, der mich beim Lesen gut unterhalten hat und auch sein Ziel erreichte, indem er mich auf die Wildkamele Asiens aufmerksam gemacht hat. Sein Bericht „Auf den Spuren der letzten wilden Kamele. Eine Expedition ins verbotene China“ subbt bei mir noch, wird aber als nächstes Buch der National Geographic-Reihe gelesen. Von mir gibt es für die verwehten Spuren 4 von 5 Akazien.

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Gemeinsam mit seiner Frau Deborah hat sich der Bergführer Jonathan Waterman vorgenommen, den mexikanischen Golf, auch Cortéssee genannt, zwischen der Halbinsel Baja California und dem mexikanischen Festland mit Kajaks zu befahren. Ausgehend vom nördlichen Ende, wo der Colorado River in den Golf fließt, bis zum Übergang ins offene Meer 800 Meilen weiter südlich liegt eine kräftezehrende Reise vor ihnen, auf der sie wieder lernen wollen, dem Stress und der Aufregung des Alltags zu entfliehen und Entspannung und Ruhe in der Natur zu finden.

In diesem Buch aus der National Geographic Reihe berichtet Jonathan Waterman von ihren Erlebnissen während der ca. 2 Monate andauernden Reise, ihren Begegnungen mit anderen Bootsfahrern, Einheimischen und US-amerikanischen Touristen und Investoren, welche auf der mexikanischen Halbinsel das große Geschäft wittern. Ich hatte hier das Gefühl, dass er dabei kaum etwas verfälscht, sondern sich an die  – wenn auch subjektive, da aus seiner eigenen Perspektive erlebte – Wahrheit hält. Allerdings hätte es mich nicht gestört, wenn er einige Male darauf verzichtet hätte zu erwähnen, wie sehr er schon wieder schwitzt.

Gut gefallen hat mir hingegen, dass er immer wieder auf frühere Reisende und besonders die Entdeckung der Halbinsel durch europäische Konquistadoren zurückkommt und sogar passende Passagen aus ihren schriftlichen Hinterlassenschaft an geeigneten Stellen einfügt.

Mehrere Dutzend Fotos, die von Jonathan Waterman und seiner Frau während ihres Kajak-Abenteuers aufgenommen wurden und nun in schwarz-weiß Eingang in dieses Buch gefunden haben, lockern den Reisebericht auf und eine Karte zu Beginn des Buches erleichtert es, die Fortschritte des Paares zu verfolgen.

Insgesamt gesehen ist dieses Buch sicherlich keine literarische Offenbarung und der Schreibstil ist nicht sehr anspruchsvoll. Doch bietet es auf seinen rund 200 Seiten eine interessante Erzählung, die vielleicht auch den einen oder anderen Leser zur Nachahmung anstiften könnte. Ich vergebe dafür 3 von 5 Muschelschalen.

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Die amerikanische Autorin Louise Erdrich begibt sich gemeinsam mit ihrer  anderthalbjährigen Tochter auf Erkundungstour durch das Land ihrer Vorfahren, der Ojibwe-Indianer, die in der Seenlandschaft zwischen Minnesota und Ontario beheimatet sind. Dort besucht sie gemeinsam mit dem Vater ihrer jüngsten Tochter, dem Medizinmann Tobasonakwut, u.a. die Felsmalereien auf den Inseln im Lake of the Woods und die Insel der 11000 Bücher, um mehr über ihr kulturelles Erbe mütterlicherseits zu lernen.

In verschiedenen Etappen bereist Louise Erdrich mal zu Boot gemeinsam mit ihrem Partner den riesigen Lake of the Woods mit seinen überaus zahlreichen Inseln, von denen manche kaum größer sind als ein Felsblock, und dann mal wieder ist sie lediglich mit ihrer Tochter mit dem Auto und zu Fuß unterwegs, um zum Rainy Lake zu fahren und dort nach den Spuren der Objibwe zu fahnden.

Dadurch, dass die Autorin ihr indianisches Erbe zu entwickeln und zu bewahren sucht und daher u.a. auch die sehr komplizierte Sprache der Ojibwe erlernt, tauchen im Text immer wieder Fremdwörter auf, die jedoch sofort erklärt werden. Abgesehen von diesen schwer auszusprechenden Wörtern und den indianischen Namen ist der Text sehr flüssig zu lesen.

Inhaltlich konnte mich das Buch allerdings nicht überzeugen. Es war zwar nicht langweilig, der Autorin während der Reisevorbereitungen über die Schulter zu schauen, sie und ihre Tochter während der Erkundungstour zu begleiten und schließlich zu erleben, wie sie glücklich wieder zu Hause ankommt. Allerdings hatte ich eher das Gefühl, das die Autorin die Seiten nur gefüllt hat, um die Seite zu füllen. Ich möchte nicht so weit gehen zu sagen, dass es eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten war, da einige Einblicke in die heutige Lebensweise der Objibwe durchaus sehr interessant waren, aber leider war das für meinen Geschmack zu wenig.

Genaue Kritikpunkte kann ich leider nicht anführen, denn ich habe mich während des Lesens auch nicht gelangweilt, aber im Rückblick bleibt das Gefühl, dass ich die Zeit sinnvoller hätte nutzen können. Ich vergebe 2,5 von 5 Tabakprisen.

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Wie kann man die aus Sicht der Wissenschaft interessantes Zone im tropischen Regenwald erforschen, die Baumkronen? Mit dieser Frage hat sich der französische Botaniker Francis Hallé schon längere Zeit befasst und seine Lösung lautet: mit einem Baumfloß. Was genau man sich unter einem Baumfloß vorstellen muss, wie es eingesetzt wird und welche Erlebnisse das Forscherteam während der verschiedenen Einsätze mit ihrer Erfindung schon gesammelt hat, erfährt man in diesem Expeditionsbericht.

Zu Beginn des Buches werden die verschiedenen Mitglieder des Teams um den Biologen Francis Hallé, den Piloten Dany Cleyet-Marrel und den Architekten Gilles Ebersolt sowie das ganze Projekt rings um das Baumfloß auf sehr sympathische und humorvolle Art vorgestellt, so dass ich mich schon auf eine amüsante und aufschlussreiche Lektüre freute.

Doch gleich darauf bekam mein Optimismus den ersten Dämpfer, denn es folgte eine fast 30seitige Abhandlung, warum die Regenwälder geschützt werden müssen. Natürlich ist es wichtig zu erklären, was man mit seiner Forscherarbeit erreichen möchte, aber für meinen Geschmack war dies zu ausführlich und auch die Spritzigkeit des vorherigen Kapitels hat gefehlt. Zudem habe ich mich das ein oder andere mal unangenehm von der Moralkeule getroffen gefühlt, während zwanghaft versucht wurde, die üblichen Vorurteile der bösen Konzerne und der armen Einwohner zu vermeiden, die den Wald nur roden, um überleben zu können – nicht immer mit Erfolg.

Der Wechsel zwischen lockeren und humorvollen Schilderungen des Tagesablaufs im Regenwald sowie den dortigen Erlebnissen und recht drögen und trockenen Passagen zog sich auch durch das restliche Buch. So folgte auf die Nacherzählung verschiedener Episoden des Forscherlebens in Französisch-Guayana vom dem Einsatz des Baumfloßes auf dem Kronendach und dem Sammeln von Pflanzen- und Tierproben bis zur Übernachtung in luftiger Höhe und der Essensverpflegung im Basislager eine viel zu ausführliche und für meine Begriffe zum Verständnis des Buches nicht unbedingt notwendige Erläuterung des Spektrums der Forschungsarbeiten, welches von Aeorologie bis Virologie reicht.

Zwischen durch kamen die Autoren dabei immer wieder auf die Fragen der Finanzierung ihrer Expeditionen zurück, wobei fast durchgängig bemängelt wurde, wie wenig sich der Staat engagierte und welches die namhaften privaten Unternehmen sind, die statt dessen eingesprungen sind. Gab es von diesen Unternehmen extra Zuweisungen, weil ihre Firmennamen in diesem Expeditionsbericht erwähnt wurden?

Beinah während der gesamten Lektüre habe ich mich gefragt, an welchen Adressatenkreis man sich mit diesem Expeditionsbericht eigentlich richten wollte: Für Forscher ist er viel zu populärwissenschaftlich und ohne großen Informationsgehalt. Für den Ottonormal-Leser enthält er zu viele fachspezifische Aspekte, die den Lesefluss des sonst recht amüsanten Berichts über die Arbeit eines Forschers immer wieder hartnäckig unterbrechen. Für Sponsoren taugt er nichts, da ihre Namen nicht auf dem Schutzumschlag stehen. Am ehesten wendet er sich vielleicht noch an halbgebildete Umweltschützer, die sich für den Erhalt des tropischen Regenwaldes einsetzen und sich mehr Hintergrundwissen aneignen wollen. Für mich persönlich kann ich nur das Fazit ziehen: nicht Fleisch noch Fisch!

Für die flüssig zu lesenden Episoden aus dem Expeditionsalltag sowie für die Fotos und Zeichnungen, welche das Buch aufgelockert haben, vergebe ich noch 1,5 von 5 Potondreiecken, aber ansonsten lautet mein Resümee: Thema verfehlt!

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Die Autorin Désirée von Trotha kam zum ersten Mal 1991 gemeinsam mit einem Fernsehteam in den Niger. Dort lernte sie auch die Tuareg-Schmiede aus Mohameds Familie kennen. Der fünfte Sohn des Familienoberhaupts, Elhadji, erfuhr über einige Bekannte ihre Adresse in Deutschland und begann einen Briefwechsel mit Désirée, aus dem sich eine tiefe Freundschaft entwickelte.

Im vorliegenden Buch erzählt die Autorin episodenhaft aus ihrem reichen Erfahrungsschatz, den sie sich in insgesamt 6 Jahren und zahlreichen Reisen nach Agadez seit ihrer ersten Begegnung mit Elhadji angeeignet hat. Jeweils einer Person aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis unter den Tuareg ist ein Kapitel gewidmet, in dem sie Begebenheiten schildert, von denen ihr berichtet wurde oder die sie selbst mit der betreffenden Person erlebt hat.

Die wichtigste Person ist zweifelsohne Elhadji, der zu ihrem großen Bruder wird und als Kontaktperson zur Welt außerhalb der großen Tuaregfamilie agiert. Mit ihm an ihrer Seite lernt sie das Leben in Agadez und Umgebung kennen, besucht sie die Märkte und Bazare, nimmt an Riten anlässlich der unterschiedlichsten Ereignisse wie Hochzeiten und Geburten teil und erhält viele weitere Einblicke in das Leben der ehemaligen Wüstennomaden.

Auch viele weitere Mitglieder aus Elhadjis Familie und Freundeskreis lernt die Autorin kennen, von Elhadjis Vater und dem Familienoberhaupt Mohamed über seine Schwestern und deren Kinder bis hin zu seinem besten Freund und seiner Braut. Die Geschehnisse werden dabei jedoch nicht chronologisch geschildert, was die Einordnung der Erlebnisse erschwerte. An einigen Stellen wusste ich nicht, ob Désirée von ihrem ersten Aufenthalt in Agadez berichtet oder ob sie schon zum wiederholten Male bei Elhadji zu Besuch war. Allerdings wunderte ich mich nur selten über ihre Reaktionen, da sie ihre Gedanken und Gefühle sehr anschaulich beschrieb. Besonders amüsant war zu lesen, welche Vorurteile Désirée und die Tuareg voneinander hatten und wie sie mit den Eigenarten des jeweils anderen umgingen. Insbesondere Elhadji musste dabei mehr als einmal über seinen Schatten springen, z.B. wenn eine seiner Schwestern die Autorin über Verhütung befragen wollte.

An Stellen, an denen sie die politische Situation streift, streut sie geschickt Hintergrundinformationen über die Verhältnisse in Niger und den nördlichen Nachbarstaaten sowie die Situation der Tuareg ein. Obwohl sie Partei für die ehemaligen Nomaden ergreift, sind ihre Ausführungen möglichst neutral und sie scheut sich auch nicht, Unzulänglichkeiten und Fehler zuzugeben. Diese kleinen Exkurse, die ebenso anschaulich geschrieben sind wie die übrigen Passagen, werden durch eine Karte, ein Personenverzeichnis sowie ein Glossar abgerundet.

Diese Etappe auf meiner Erkundungsreise des afrikanischen Kontinents hat meine Entdeckerlust geweckt. Gut, dass noch ein Buch über den Afrikaforscher Hanns Vischer bei mir subbt. Ich vergebe 4 von 5 Stoppuhren.

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