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Archiv für die Kategorie ‘Krimis und Thriller’

Die seit einiger Zeit andauernde Welle von nordischer Krimiliteratur ging größtenteils an mir vorbei und ich schloss lediglich mit Stieg Larssons Millenium-Trilogie nähere Bekanntschaft. Doch als mir die ersten drei Bände der dänischen Reihe um den Ermittler des Sonderdezernats Q, Carl Mørck, billig in die Hände fielen, nahm ich sie spontan mit.

Zu Beginn lernen wir Carl Mørck als beinah gebrochenen Mann kennen, der einen seiner Kollegen bei einer Schießerei verlor, in der er selbst und ein weiterer Kollege schwer verletzt wurden. Zurück im Revier will Mørck eigentlich nur noch seine Ruhe und seine genervten Kollegen und Vorgesetzten wollen das ebenfalls. Daher kommt das neu gegründete Sonderdezernat Q genau richtig – man kann Mørck dorthin abschieben, wo er alte, hoffnungslose Fälle wieder aufrollen soll. Mit nur dem syrischen Hafez el-Assad als Assistenten sieht Mørck diese „Beförderung“ dennoch nicht als Bestrafung, denn er hofft, sich in seinem neuen Kellerbüro ausruhen und seine Zeit absitzen zu können.

Assad jedoch ist mit viel mehr Eifer bei der Sache als sein Boss und so bringt er ihn langsam aber sich dazu, sich doch mehr mit den ihnen vorgelegten alten Fällen zu befassen. Einer davon beschäftigt sich mit dem Verschwinden den Politikerin Merete Lynggaard vor beinah 5 Jahren an Bord einer Ostseefähre. Den damaligen Ermittlungen zufolge fiel sie von Bord und ertrank in der See. Mørck und Assad jedoch stoßen nach und nach auf immer mehr Ungereimtheiten, die sie in eine völlig andere Richtung führen.

Gleichzeitig erfahren wir in anderen Kapiteln von einem personalen Erzähler, wie es Merete erging. Denn wie man sich als Leser schon nach kurzer Zeit zusammenreimen kann, fiel sie keinesfalls ins Meer, sondern wurde entführt und in eine kleine Kammer gesperrt. In völliger Dunkelheit verharrt sie mehrere Monate, bevor sie von einer körperlosen Stimme aus dem Lautsprecher gefragt wird, ob sie denn wüsste, warum sie hier wäre. Als sie darauf keine Antwort weiß, ist dies erst der Beginn ihres Martyriums.

Immer abwechselnd erfahren wir vom Fortschreiten von Mørcks Ermittlungen und Meretes Qualen, wobei sich die beiden Zeitebenen – Merete verschwand 2002, Mørck begann mit seinen Ermittlungen 2007 – immer weiter aneinander annähern. Dabei lernen wir Leser nicht nur Mørck besser kennen, hinter dessen Resignation ein guter Ermittler zum Vorschein kommt, der, hat er einmal Blut geleckt, nicht locker lässt und dank seiner Intuition und langjährigen Erfahrung oftmals an sein Ziel gelangt. Merete selbst, die wir am Anfang als kühle Politikerin kennen lernen, die sich als Unnahbare gibt, offenbart mit der Zeit, welche innere Härte in ihr steckt und was ihr in ihrem Leben wirklich etwas bedeutet und ihr den Halt gibt, ihr Martyrium durchzustehen. Beide wuchsen mir zwar nicht ans Herz, aber ihre Charaktere waren lebensecht gezeichnet, mit Ecken und Kanten, die ihnen Struktur verliehen.

Auch die Geschichte selbst und der Spannungsbogen waren solide konstruiert, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob manche Patzer in den Ermittlungen so wirklich vorkommen. Allerdings brauchte ich einige Zeit, um überhaupt erst in das Buch hineinzukommen, denn gerade zu Beginn war nicht abzusehen, in welche Richtung sich alles entwickeln würde und auch, welches Verhältnis sich zwischen Assad und Mørck etablieren würde. Nach ca. einem Drittel war das Buch dann aber doch in Fahrt gekommen und ich verfolgte die Fortschritte in Mørcks und Assads Ermittlungen gespannt.

Summa summarum komme ich damit auf 3 von 5 Legofiguren und plane, den nächsten Band der Reihe bald zu lesen in der Hoffnung, dass ich dann schneller in die Geschichte hineinkomme, wenn ich die Charaktere und die Grundsituation schon kenne.

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Als Christine morgens aufwacht, liegt sie in einem fremden Bett in einem fremden Haus – neben einem fremden Mann. Und sie selbst ist ihr auch fremd. Denn anstatt einer jungen Frau sieht sie im Spiegel ihr mehr als doppelt so altes Ich. Der Mann, neben dem sie aufgewacht ist und der sich als ihr Ehemann Ben vorstellt, klärt sie auf: vor beinah 20 Jahren hatte sie einen Unfall und durch die damals erlittene Kopfverletzung wurde ihr Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen. Seit dem verliert sie jedes Mal, wenn sie einschläft, ihr Kurzzeitgedächtnis und sie ist wieder eine junge Frau – und Tag für Tag erklärt ihr Ben aufs Neue, wer sie ist und was ihr zugestoßen ist. An diesem Tag steht ein Mann vor der Tür und stellt sich als ihr Therapeut vor. Als Beweis überreicht er ihr ihr Tagebuch, das sie selbst führe und das ihr beim Erinnern helfen soll. Doch warum steht auf der Titelseite in ihrer eigenen Schrift: Vertraue Ben nicht?

Während der Beginn des Romans und das Ende in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive von Christine geschildert werden, nimmt ihr Tagebuch den weitaus größten Teil des Buches ein. Der erste Eintrag ist noch recht kurz gehalten, aber je öfter Christine ihr eigenes Tagebuch liest, sich an manches wieder erinnert und dadurch neue Verbindungen herstellen kann, desto mehr erfährt man über ihr Leben – sowohl über das, was sie selbst führt, von Tag zu Tag aufs Neue, als auch über das, was sie durch ihre Amnesie verpasst oder wieder vergessen hat.

Sehr gut dargestellt wurden die Zweifel, die Christine befallen, als sie auf Widersprüche zwischen dem, was ihr ihr liebevoller und fürsorglicher Ehemann ihr über ihr Leben erzählt und dem, woran sie sich bruchstückhaft selbst erinnert. Immer wieder schwankt sie zwischen Misstrauen und hilflosem Vertrauen. Will Ben sie und sich selbst schützen, indem er ihr eine entschärfte Version ihres Lebens liefert oder hat er etwas zu verbergen?

Obwohl die Tagebucheinträge stilistisch sehr unrealistisch sind – wer kann schon ganze Gespräche in wörtlicher Rede wiedergeben, und dass Stunden nachdem sie geführt wurden – so trägt der Aufbau sehr zum Spannungsaufbau bei, so dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte. Dafür vergebe ich 3,5 von 5 Fotoalben.

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Der Mailänder Journalist Enrico Radeschi soll eigentlich nur das Haus seiner Eltern im kleinen Dörfchen Capo di Ponte Emilia hüten während diese in den Sommerurlaub fahren, doch dann wird die beschauliche Atmosphäre von einem grausigen Fund erschüttert: zuerst findet der Postbote eine abgetrennte Hand, kurz darauf wird ein Mann erschossen. Logisch, dass Enricos Boss seinen Mann vor Ort auf diesen Fall ansetzt und so nutzt Enrico seine Beziehungen zu den ermittelnden Carabinieri und auch zur Mailänder Polizei, um sich an die Mordermittlungen ranzuhängen. Als sich ein zweiter Mord, ebenfalls mit einer abgetrennten Hand als Vorwarnung ereignet, führt die Verbindung zwischen den beiden Opfern mehrere Jahrzehnte in die Vergangenheit, die nun wieder ans Licht gezerrt wird.

Obwohl die Umstände der Morde, insbesondere die abgetrennten Hände eines mutmaßlich weiteren Opfers, grausig sind, so ist die Atmosphäre des Buches doch eher beschaulich, geprägt durch die dörfliche Gemütlichkeit und die drückende, lähmende Hitze des Hochsommers. Deswegen kam für mich auch keine richtige Spannung auf, ich konnte das Buch problemlos beiseite legen. Dennoch habe ich keine langen Pausen gemacht, da mir der Schreibstil des Italieners gerade sehr entgegen kam: schnörkellos und ohne ausschweifende Umschreibungen. Und zugegebenermaßen war ich schon etwas neugierig, wer der Täter war.

Die Auflösung des Falls hat mich dann zwischenzeitlich etwas verwirrt, da Namen aufgetaucht sind, die ich auf Anhieb nicht einordnen konnte, aber das hat sich zum Glück gelegt. Allerdings fand ich die entscheidende Situation sehr oberlehrerhaft angelegt, es wurde mehr referiert als ermittelt und der Leser vor beinah vollendete Tatsachen gestellt.

Enrico Radeschi als Hauptperson dieses Romans konnte mich auch nicht wirklich überzeugen. Einerseits will er sich von seinem alten, kaum noch funktionierenden Handy trennen, da er sich nicht mit einem neuen beschäftigen mag, aber andererseits ist er so technikaffin, dass er ständig seinen Laptop mit sich herumschleppt und sich problemlos in die Satelliten der Nasa hacken kann ohne Spuren zu hinterlassen. Eine Entscheidung, die er zwischenzeitlich getroffen hat, hat ihn dann auch die wenigen Sympathiepunkte gekostet, die er trotz seines klischeehaften Charakters bei mir sammeln konnte.

Fazit: Der Lobpreisung der italienischen Zeitung La Repubblica kann ich mich nicht anschließen. Dieser Krimi war für mich keine Offenbarung, sondern allenfalls Durchschnitt. Zu mehr als 2,5 von 5 Gürteltieren kann ich mich dementsprechend auch nicht durchringen.

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Matt Ruff – Bad Monkeys

Die Hauptperson dieses Romans, Jane Charlotte, eine Amerikanerin, die die besten Jahre ihres Lebens schon hinter sich hat, erzählt einem Gefängnispsychiater ihre Geschichte um so zu erklären, warum sie genau das getan hat, was sie zu eben jenem Gespräch mit dem Psychiater geführt hat.

Jane Charlotte behauptet, sie gehöre einer Geheimorganisation an, deren Aufgabe darin besteht, hoffnungslos böse Menschen zu eliminieren, um die Welt von ihrer Existenz zu befreien. Um ihre Aufgabe ausüben zu können, besitzt Jane Charlotte nicht wie James Bond eine Lizenz zum Töten, sondern sie und andere Agenten der Abteilung „Bad Monkeys“ benutzen hochentwickelte Geheimwaffen, die den Getroffenen ein Hirnschlag, einen Herzinfarkt oder andere unverfängliche Todesarten bescheren.

Selbstverständlich fällt es dem Gefängnispsychiater schwer, diese Geschichte zu glauben und so werden Jane Charlottes Schilderungen ihres ersten Kontakts mit den Bad Monkeys, der darauf folgenden langen Jahre bis zu ihrer offiziellen Rekrutierung und ihrer anschließenden Ausbildung bis hin zu ihrem aktuellen Auftrag, der sie überhaupt in die Gefängnispsychiatrie gebracht hat, immer wieder von ihm unterbrochen, um sie auf Diskrepanzen zwischen ihrer Geschichte und den belegbaren Fakten hinzuweisen. Doch Jane Charlotte hält auch für diese augenscheinlichen Widersprüche Erklärungen parat, die sowohl den Psychiater als auch den Leser daran zweifeln lassen, ob ihre Geschichte, so hanebüchen sie auch klingen mag, wirklich erfunden ist oder ob es doch sein könnte, dass die Bad Monkeys wirklich dort draußen herumlaufen und Bösewichter per gezieltem Aneurysma zur Strecke bringen.

Dadurch, dass man als Leser den größten Teil des Buches über Jane zuhört bzw. das Protokoll ihrer Schilderungen liest, kann man sich relativ gut in sie hineinversetzen. Dies macht sie jedoch keinesfalls zu einer Sympathieträgerin, denn wie sie selbst zugeben muss, hat sie viele Jahre ihres Lebens sinnlos vergeudet, von heute auf morgen gelebt und ihre Fähigkeiten brach liegen lassen. Auch nach ihrer Rekrutierung war sie keineswegs eine Musteragentin, sondern ihre Zugehörigkeit zu den Bad Monkeys stand beinah permanent auf Messers Schneide und ihr Leben hat sie dadurch auch nicht besser in den Griff bekommen.

Ihr Gegenpart, der Gefängnispsychiater Dr. Vale, kommt nur in den kurzen Unterbrechungen zu Wort und seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Zweifel zu wecken. Bei Jane ist dies nicht von Erfolg gekrönt, da sie immer eine Erklärung parat hat, doch bei mir als Leserin haben seine Einwände zumindest kurzzeitig Wirkung gezeigt, aber nur so lange, bis Jane mit ihren Schilderungen fortfuhr und den angeblichen Widerspruch plausibel aufgelöst hat. Ein letzter Rest an Unsicherheit blieb aber trotz allem bestehen.

Was mich jedoch noch mehr als dieses Spiel mit der Realität beeindruckt hat, war die Auflösung, die Ruff aus dem Hut zaubert. Darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen! Deswegen vergebe ich für diesen vielschichtigen Roman, der neben seiner abgefahrenen Handlung auch moralische Fragen nach Gut und Böse stellt sowie dem, was bei der Bekämpfung des Bösen erlaubt ist und wann man selbst die Grenze überschreitet und Teil dessen wird, was man eigentlich bekämpfen wollte, 4 von 5 NT-Waffen.

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Der Starjournalist Jameson Rook wurde der New Yorker Polizistin Nikki Heat zugeteilt, um als Hintergrundrecherche für einen Artikel ihre Ermittlungsmethoden beobachten zu können. Während Detective Heat alles andere als begeistert von diesem Klotz an ihrem Bein ist, wittert Rook seine große Chance und bleibt ihr trotz allem immer dicht auf den Fersen.

Als ein stadtbekannter Immobilienmagnat vom Balkon seines Appartements im 6. Stock stürzt, wird Detective Heat mit dem Fall betreut. Was zuerst wie Selbstmord schien, entpuppt sich als kaltblütiger Mord. Doch wer steckt dahinter? Die Vorzeigeehefrau, die eifrig die Geheimnisse ihrer Vergangenheit hütet? Oder doch die Buchmacher, bei denen das Opfer horrende Wettschulden hatte? Auch die Konkurrenten auf dem hart umkämpften Immobilienmarkt New Yorks bleiben ebenso wenig verschont wie die Affären des Opfers. Gekonnt setzt Detective Heat die Puzzlestücke zusammen und nähert sich in der unbarmherzigen Hitze des Hochsommers nicht nur der Lösung des Falls, sondern kommt auch ihrem ungeliebten Begleiter Rook näher, als sie sich eingestehen möchte.

Fans der Krimiserie „Castle“ aufgepasst. Wer schon immer wissen wollte, in welcher Form der Schriftsteller Richard Castle seine Erlebnisse mit der New Yorker Detective Kate Beckett sowie ihrem Team in seinem hochgelobten Roman „Heat Wave“ verarbeitet hat, der kann sich ab sofort selbst ein Bild davon machen. Als genialer Marketinggag haben die ABC Studios das oft in der TV-Serie erwähnte Buch tatsächlich schreiben lassen und es auf den Markt gebracht. Die deutsche Übersetzung ist seit kurzem beim Cross Cult Verlag erhältlich.

Während des Lesens konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich eine Doppelfolge „Castle“ in Buchform vor mir hatte, bei der nur die Namen der Protagonisten ausgetauscht wurden. Detective Nikki Heat ist ein Ebenbild von Kate Beckett, Jameson Rook das Alter Ego von Richard Castle und auch die beiden Detectives Ryan und Esposito finden als Duo Roach Eingang in den Roman. Doch nicht nur die Charaktere selbst, sondern insbesondere das Beziehungsgeflecht zwischen ihnen wurde im Roman sehr gut eingefangen und angesichts der spitzfindigen und teils äußerst sarkastischen Dialoge zwischen Journalist Rook und Detective Heat musste ich ständig schmunzeln, auch dank der Bilder aus der TV-Serie, die mir dabei durch den Kopf gingen.

Fans der TV-Serie kann ich das Buch nur wärmstens ans Herz legen, da es eine tolle Ergänzung darstellt und man endlich erfährt, über welche Buchszene sich Beckett so sehr aufgeregt hat. Für alle, die noch nie von der Serie gehört haben, dürfte das Buch ein solider, aber nicht überragender Krimi mit etwas schrägen Ermittlern sein. Ich persönlich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und vergebe höchst subjektive 4 von 5 Bügeleisen.

P.S. Danke an den Cross Cult Verlag für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.

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Chief Inspector Wexford hat es zu Beginn dieses Romans mit dem Verschwinden der 16jährigen Lizzie zu tun, die nach 3 Tagen plötzlich einfach so wieder bei ihrer Mutter auftaucht, ohne eine plausible Erklärung liefern zu können. Als eine Woche später eine junge Frau ebenfalls für einige Tage verschwindet und genau wie Lizzie wieder auftaucht, ist es Wexford klar, dass es einen Zusammenhang geben muss. Seine Nachforschungen werden aber davon überschattet, dass ein verurteilter Pädophiler zurückkehrt und die Nachbarn der Sozialsiedlung dagegen Sturm laufen. Als wenig ein kleines Mädchen verschwindet, steht für viele der Täter bereits fest und Wexford hat alle Hände voll zu tun, um die aufgebrachten Massen unter Kontrolle zu halten und gleichzeitig nach dem Kind zu suchen.

Dass es sich bei diesem Krimi um den Teil einer Reihe um den Chief Inspector Wexford handelt, wusste ich weder vor der Lektüre noch ist es mir währenddessen aufgefallen. Das familiäre und kollegiale Umfeld von Wexford war ausreichend erklärt und obwohl auf frühere Geschehnisse angespielt wird, waren diese Stellen nicht störend oder gar entscheidend für den Kriminalfall.

Genauer gesagt handelt es sich sogar um zwei Fälle, die die Autorin in dem Buch verknüpft. Zum Einen geht es um das mehrtätige Verschwinden von Lizzie und später auch von Rachel, die über das, was währenddessen vorgefallen ist, keine Auskunft geben können bzw. wollen. Obwohl sie beide unbeschadet zurück zu ihren Familien gekommen sind, wurde mit ihrer Entführung gegen das Gesetz verstoßen und wecken Wexfords kriminalistisches Gespür. Zum Anderen muss sich der Chief Inspector um das Verschwinden der kleinen Sanchia kümmern, die nachts aus ihrem Bettchen im Elternhaus entführt wurde und von der seither jede Spur fehlt. Zusätzlich dazu greift Rendell außerdem noch das Thema häusliche Gewalt auf und kann sich auch einige Äußerungen zum Leben in einer Sozialsiedlung nicht verkneifen.

An und für sich hätte aus jedem dieser Punkte ein spannender Krimi entwickelt werden können, doch so geballt stehlen sie sich gegenseitig die Show und dem Leser die Nerven. Schon allein bei dem äußerst zahlreichen Personal habe ich recht bald den Überblick verloren, von den Verknüpfungen der einzelnen Geschehnisse miteinander ganz zu schweigen.

Getreu dem Motto „Weniger ist mehr!“ vergebe ich auch nur 1,5 von 5 Regenmänteln und werde künftig meine Zeit nicht mehr mit dieser Autorin verbringen und mich stattdessen auf lohnendere Lektüre konzentrieren.

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Als Tobias Satorius nach 10 Jahren in seinen Heimatort zurückkehrt, ist die Bevölkerung des Dorfs alles andere als begeistert. Schließlich wurde Tobias als 20jähriger für die Morde an zwei Mädchen verurteilt, deren Leichen zudem nie gefunden wurden. Als Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein zum Fundort einer Leiche auf dem Gelände eines stillgelegten Militärflugplatzes gerufen werden, ahnt noch keiner die Verbindung zum Fall Tobias. Leider werden die Umstände nur langsam offenbart und so können die beiden Ermittler eine neue Hexenjagd auf den jungen Mann nicht verhindern, nachdem ein weiteres Mädchen in seinem Heimatort verschwindet.

Dass es sich bei diesem Buch um den mittlerweile 4. Fall des Ermittlerduos Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein handelt, wird nur anhand der persönlichen Hintergründe der beiden Kommissare deutlich. Sieht man davon ab, so bleibt ein abgeschlossener Krimi mit solider Handlung zurück, der mich nicht vom Hocker gerissen hat, aber durchaus zu fesseln weiß.

Zu Beginn dauert es einige Zeit, ehe die verschiedenen Handlungsstränge zueinander finden und der Leser erkennt, zu welchem Bild die Puzzlestücke gehören. Einige Entwicklungen konnte man aufgrund dessen voraussagen, doch gerade im Mittelfeld des Romans gab es eine Phase, in der ich als Leserin genauso wenig wusste, wem ich noch trauen konnte, wie die Ermittler oder Tobias selbst. Gegen Ende nahm die Vorhersehbarkeit leider wieder zu.

Obwohl ich mit Tobias und seiner Familie mitfühlen konnte und durch die Einblicke ins Privatleben der beiden Ermittler auch diese näher kennengelernt habe, sind mir die Charaktere durchweg nicht ans Herz gewachsen. Sie verstanden es, ihre Rolle in dem Drama auszufüllen, aber nicht mehr.

Gut gefallen haben mir hingegen die Bezüge, die immer wieder zum bereits im Titel vorkommenden Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ hergestellt wurden.

Im Fazit komme ich auf 3 von 5 Ölbildern für einen durchschnittlich guten Krimi, der aber nicht die Neugier auf die anderen Bände um das Ermittlerduo wecken konnte.

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Liz Jensen – Endzeit

Die Psychotherapeutin Gabrielle Fox hat durch einen schweren Unfall nicht nur ihren Geliebten und ihr ungeborenes Kind verloren, sondern ist seitdem auch querschnittsgelähmt und somit an den Rollstuhl gefesselt. Nach über einem Jahr der Regeneration tritt sie einen neuen Job in einer Klinik für geistig gestörte Jugendliche an und betreut dort unter anderem Bethany, die ihre eigene Mutter ermordete. Über den Vorfall an sich spricht Bethany nicht, jedoch behauptet sie, Naturkatastrophen vorhersagen zu können. Als sich einige ihre Prophezeiungen bewahrheiten, beginnt Gabrielle nachzuforschen.

Aus irgendwelchen Gründen, die ich jetzt nicht mehr nachvollziehen kann, nahm ich vor der Lektüre an, dass es sich um einen dieser schnell wegzulesenden Jugendthriller handelt. Damit habe ich mich aber im positiven geirrt, denn die Autorin hat einen wahnsinnig fesselnden Roman abgeliefert, der zudem eine beängstigend glaubwürdige Nahzukunftsvision unserer Welt aufzeigt.

In nur wenigen Jahren hat die globale Erwärmungen zu einem stark erhöhten Auftreten von Wirbelstürmen, Überschwemmungen und anderen anormalen Wetterphänomenen geführt und die Menschheit in eine bedrohliche Lage gebracht. Dementsprechend wächst der Zulauf zu religiösen Gruppen, die ihren Anhängern das Seelenheil versprechen. Dadurch, dass Bethanys Vater der Anführer einer solchen christlichen Splittergruppe ist, bindet Jensen auch die zunehmende Religiosität mit ein, die zumeist auf Katastrophen folgt. Jedoch bewahrt die Ich-Erzählerin Gabrielle dem gegenüber eine kritische Einstellung und benutzt lieber ihren eigenen Kopf zum Nachdenken.

Dies führt dazu, dass sich der Leser gemeinsam mit Gabrielle mit verschiedenen Katastrophenszenarien auseinander setzt und dabei für mein Empfinden mit sorgfältig recherchierten und an den passenden Stellen eingestreuten wissenschaftlichen und technischen Details versorgt wird, ohne dadurch überfordert zu werden.

Ebenfalls stimmig in die Handlung integriert, ohne diese zu überfrachten, sind die Schwierigkeiten, mit denen sich Gabrielle als Rollstuhlfahrerin immer wieder konfrontiert sieht. Die Autorin scheut dabei auch nicht davor zurück, das heikle Thema der Sexualität behinderter Menschen am Rand mit einzubeziehen, wobei ich auf diesen Aspekt und generell die dem zugrunde liegende Liebesgeschichte auch hätte verzichten können.

Insgesamt gesehen ist Liz Jensen ein mitreissender Thriller mit einer (leider) leicht vorstellbaren Vision unserer Erde in wenigen Jahren gelungen, die den Leser mit einer Gänsehaut zurücklässt. Dafür vergebe ich 4 von 5 Sonnenblumen.

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Schon bevor ich mit dem dritten Abenteuer von Robert Langdon angefangen habe, konnte ich mir ausmalen, worauf ich mich einlassen würde. Selbstverständlich war klar, dass der Professor wieder in eine Angelegenheit hineingezogen würde, bei der das Wohl der Welt auf dem Spiel steht und seine besonderen Kenntnisse über die gängigen und die absonderlichen Symbole den Ausschlag geben würden. Mit Sicherheit würde er während seiner aufregenden Schnitzeljagd durch … (bitte Namen der Stadt einsetzen) von einer Frau begleitet werden, die sich jedoch nicht für die Rolle der Geliebten eignet.

Vom Aufbau her passt „Das verlorene Symbol“ sehr gut in die Fußstapfen, die schon „Illuminati“ und „Sakrileg“ hinterlassen haben. Diesmal verschlägt es Langdon nach Washington, wo sein Freund und Freimaurer Peter Solomon gekidnappt wurde. Der Entführer verlangt von Langdon, das Versteck des höchsten Wissens der Freimaurer zu finden – bis Mitternacht! Dass die CIA sich in den Fall einschaltet und ein unerklärtes Eigeninteresse an den Geschehnissen geltend macht, verkompliziert die Situation zusätzlich. Als auf die Schwester von Peter Solomon, die an bahnbrechenden Forschungen arbeitet, die das gesamte Weltbild aus den Angeln heben können, ein Mordanschlag verübt und ihr Labor zerstört wird, flüchtet sie zu Langdon und gemeinsam versuchen sie, das Netz zu zerreissen, in das sie sich verstrickt haben.

Dass es sich bei diesem Roman um den dritten mit Langdon als Hauptperson handelt, wird zwar durch verschiedene Anspielungen deutlich, jedoch lässt er sich auch ohne Vorkenntnisse lesen. Für diejenigen, die sich von Reihen abgeschreckt fühlen, mag dies eine gute Nachricht sein. Da ich jedoch die beiden vorherigen Bücher kenne, wäre eine merkbare Weiterentwicklung der Hauptperson Langdon wünschenswert gewesen. Leider hatte ich das Gefühl, dass es sich bei ihm immer noch um den gleichen verschreckten Theoretiker handelt, der schon zu Beginn von „Illuminati“ unbeteiligt in eine hanebüchene Verschwörung hineingezogen wurde und in der Zwischenzeit nicht das kleinste bisschen dazugelernt hat.

Rein handwerklich gesehen hat es Brown immer noch drauf, den Leser durch kurze Kapitel und einen eingängigen Schreibstil bei Laune und die Spannung hoch zu halten. Genauere Überlegungen über den Inhalt der gelesenen Seiten sollten jedoch unterdrückt werden, da die Verschwörungstheorien ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirken – trotz gegenteiliger Beteuerungen des Autors.

Insgesamt gesehen hat Brown mal wieder nette Popcorn-Lektüre abgeliefert, die den Leser gut unterhält, solange er keine hohen Anforderungen stellt oder über das eben gelesene nachdenkt. Lediglich das philosophisch-freimaurerische Anhängsel nach dem eigentlichen Showdown hat den Eindruck einer abwechslungsreichen Schnitzeljagd gedämpft und daher komme ich auch nur auf 3 von 5 Pyramiden.

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Als der Journalist Joe Oakes nach „Pig Island“ eingeladen wird, um die dort zurückgezogen lebenden Mitglieder einer Sekte zu interviewen und dadurch möglicherweise den sich hartnäckig haltenden Gerüchten um den „Teufel“ auf die Spur zu kommen, glaubt er erst an das große Los. Doch schnell wird Joe klar, dass der Ausflug auf die abgelegenen Insel vor der Küste Schottlands nicht das ist, was er erhofft hat. Eigentlich wollte er den Sektengründer Malachi Dove als Scharlatan bloßstellen, doch wird ihm von den Sektenmitgliedern erzählt, dass dieser verrückt geworden sei und sich auf der anderen Inselseite aufhält – gemeinsam mit den Schweinen, die der Insel zu ihrem unrühmlichen Spitznamen verholfen haben. Was genau es allerdings mit dem „Teufel“ auf sich hat, der auf der Insel leben soll und von dem es auch ein kurzes Video gibt, wird Joe an seine Grenzen treiben – und darüber hinaus!

Die Autorin Mo Hayder ist bekannt für ihre Psychothriller und so sollte man sich auf einige heftige Szenen einstellen, wenn man dieses Buch aufschlägt. Was genau auf der Insel geschah und auch danach, dass wird von Joe Oakes rückblickend aus der Ich-Perspektive erzählt. So ist man einerseits immer sehr dicht an den Geschehnissen dran, in die Oakes verwickelt ist und man lernt seine Gedanken, Vermutungen und Schlussfolgerungen kennen, aber dadurch ist die eigene Sichtweise des Lesers auf die Ereignisse sehr eingeschränkt. Mit diesem Aspekt der gewählten Erzählperspektive versteht Hayder sehr geschickt zu spielen und je weniger sich Oakes darüber klar ist, was genau geschehen ist und was er noch glauben kann, desto mehr ist auch der Leser verunsichert.

Der Nachteil ist jedoch, dass man als Leser gezwungenermaßen Oakes Perspektive einnimmt und er nicht unbedingt der sympathischste Mensch ist. Deswegen fiel es mir nicht immer ganz leicht, seiner Sichtweise auf die Dinge zu folgen und ich hatte mir öfters einen anderen Blick auf die Handlung gewünscht. Allerdings wären dadurch so einige Überraschungsmomente verloren gegangen, so dass sich letztendlich die Vor- und Nachteile fast ausgleichen.

Was im Ergebnis bleibt ist ein recht spannender, an manchen Stellen ziemlich gruseliger Psychothriller mit einigen blutigen Szenen, den sich furchtsame Menschen – wenn überhaupt – lieber nur bei strahlendem Sonnenschein zu Gemüte führen sollten. Von mir gibt es 3 von 5 Schweineschädeln.

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