Ein Tag allein ist viel zu wenig, um alles Sehenswerte auf der Leipziger Buchmesse zu sehen, weshalb wir am Sonntag erneut auf das Messegelände fuhren, wo es im Vergleich zu Samstag bedeutend ruhiger zuging. Ziel für den Tag war es, diejenigen Bereiche der Messe zu erkunden, die wir am Samstag nicht mehr geschafft hatte.
Start war in Halle 3, wo wir uns zuerst näher dem Stand der Random House-Gruppe widmeten, zu der u.a. die Verlage Heyne, Goldmann und Blanvalet gehören. Bald schon waren uns einige Bücher aufgefallen, doch wie schon am Vortag gehörten Verlagsvorschauen zur Mangelware. Wie gut, dass meine Cousine ihr kleines schwarzes Notizbuch dabei hatte, das fleißig befüllt wurde. Im Anschluss nahmen wir uns der Hörbuch-Abteilung an. Mittlerweile habe ich Geschmack an Hörbüchern gefunden, doch leider sind die meisten autorisierte Fassungen bzw. gekürzte Lesungen, was ich nicht so sehr mag. Da ich mich für Hörspiele auch nicht unbedingt begeistern kann, nahm ich von hier kaum Anregungen mit, geschweige denn dringende Kaufwünsche.
Halb 1 Uhr begann schon die erste Lesung auf unserem heutigen Terminkalender. Im „Berliner Zimmer“ gab Jungautor Robert Löhr einige Ausschnitte aus dem „Hamlet-Komplott“ zum Besten. Ähnlich wie im „Erlkönig-Manöver“ zieht eine Gruppe von Dichtern unter Leitung von Goethe aus, um gegen den expansionswütigen Napoleon ins Feld zu ziehen. In diesem Buch geht es um die tausendjährige Reichskrone aus der Zeit von Karl dem Großen, die von Kleist auf einer Insel im Bodensee ausgegraben wurde. Nun gilt es, sie vor Napoleons Häschern zu verbergen und sicher nach Preußen zu bringen, wo sie den demoralisierten Truppen neuen Aufschwung verleihen soll.
Löhr las verschiedene Passagen aus seinem Buch ausdrucksstark vor und der Humor, der sich durch die ungewöhnliche Darstellung des großen deutschen Dichterfürsten und seiner Gefährten ergab, brachte das Publikum an manchen Stellen zum Lachen. Leider war aber die Zahl der Zuhörer insgesamt geringer, als man es dem Buch und seinem Autor gewünscht hätte, denn obwohl ich mit Löhrs vorherigem Buch nicht so ganz warm geworden bin, hat mich seine Lesung neugierig auf einen weiteren Versuch gemacht.
Nach einem Imbiss ging es anschließend durch Halle 5, wo sich unter anderem das Sachbuchforum, Stände von Dienstleistungsunternehmen für Verlage und Buchhändler und die Autorenbuchhandlung befanden. Von besonderem Interesse für meine Cousine waren vor allem die Musikbuchverlage, die neben Noten für klassische Stücke auch moderne Songs im Angebot haben.
In Halle 4 nahmen wir die internationalen Verlage noch mal genauer unter die Lupe, die wir am Vortag nur gestreift hatten. Leider waren die meisten Auslagen für uns unverständlich, da wir die Landessprachen nicht beherrschen. Sicherlich mag es für diejenigen Besucher, die Fremdsprachen können, faszinierend sein, die Bücher in ihrer ursprünglichen Fassung lesen zu können, doch für die meisten wäre es spannender gewesen, wenn die Stände eine gesunde Mischung aus übersetzen und Büchern in ihrer Originalsprache im Angebot gehabt hätten, um so die Neugierde der Besucher zu wecken. Gut gelungen fand ich das Angebot lediglich beim Nordischen Forum, während selbst der Stand des diesjährigen Gastlands der Frankfurter Buchmesse, Argentinien, kaum Interessantes zu bieten hatte.
Unser Weg führte uns anschließend mal wieder auf die Fantasy-Leseinsel in Halle 2, wo wir Aileen P. Roberts Lesung aus ihrem Buch „Thondras Kinder“ lauschen wollten. Doch schon zu Beginn wurde klar, dass die Autorin aus dem zweiten Buch ihrer Duologie vortragen würde. Zwar wurde kurz die Konstellation am Anfang von „Am Ende der Zeit“ geschildert, doch völlig ohne Kenntnisse des ersten Bandes viel es schwer, dem Inhalt zu folgen. Zudem war der Vortrag von Frau Roberts alles andere als geeignet, ihr gespannt zu lauschen, so dass meine Gedanken des Öfteren abdrifteten. Insgesamt also keine guten Voraussetzungen, um mich für die Bücher zu begeistern.
Von völlig anderem Kaliber war im Anschluss die Lesung von Victoria Schlederer. Schon die Figurenkonstellation in „Des Teufels Maskerade“ war wesentlich faszinierender, denn wie oft nimmt schon ein sprechender Otter eine Hauptrolle ein? Sympathisch und betont las die Autorin ebenfalls mehrere verschiedene Szenen vor, die Einblick in die unterschiedlichen Stimmungen des Buches gaben. Neugierig gemacht hat sich mich auf alle Fälle, aber vorerst ist das Buch nur auf meine Wunschliste gewandert.
Da uns der vorherige Tag noch in den Knochen steckte und auch der Sonntag schon fortgeschritten war, sind wir noch einige Zeit zwischen den Comicständen umher geschlichen bevor wir dann schließlich den Rückzug antraten.
Im Ergebnis war die Buchmesse durchaus wieder ein Erlebnis, auch wenn sie für mich persönlich nicht an die von 2009 heranreichen konnte. Dennoch ist es keine Frage, dass wir auch 2011 wieder mit von der Partie sein werden:






Für mich fiel die Buchmesse in diesem Jahr befriedigender aus als im Jahr 2009. Letztes Jahr waren meine Freundin und ich, wie sich bereits im Verlauf des Leipzigbesuches abzeichnete, etwas unstrukturiert, ich erinnere mich auch kaum an einzelne Erlebnisse in den Messehallen. Das hatte zum einen damit zu tun, daß wir das erste Mal auf dieser Buchmesse waren und uns das Programm – am ersten Messetag erst besorgt – doch überraschte
Zum anderen wollten wir auch gern etwas von Leipzig sehen. Tja , wie ist das noch mal mit dem Diener zweier Herren …
Dieses Jahr hatte ich mir mehr Zeit genommen, war früher angereist, habe das Programm vorher durchgesehen und mich mehr auf einzelne Sachen konzentriert. Mein persönlicher Messeplan ist auch weiterhin verbesserungswürdig: z.B. hat es nur zu einer Lesung außerhalb der Messe gereicht (ich war ab 16.00 regelmäßig kO und froh, wieder im Hotel zu sein). Gut, daß die Messe jährlich stattfindet
Lg Natira
Es war ein kleiner schwarzer Terminkalender mit Platz für Notizen, und KEIN Notizbuch.