Ein Briefwechsel zwischen Ernst Rowohlt, Besitzer des gleichnamigen Verlages, und dem Schriftsteller Kurt Tucholsky leitet diese Erzählung ein. Herr Rowohlt wünscht sich vom Autor einen leichten, sommerlichen Roman, vielleicht einer Liebesgeschichte, da das Volk Abwechslung von den vielen politischen Büchern braucht. Tucholsky antwortet daraufhin, dass er bald nach Schweden in den Urlaub fahre, aber danach noch einmal über diese Bitte nachdenken wolle. Anschließend beginnt die eigentliche Geschichte, indem Tucholsky den Brief abschickt und danach die Prinzessin abholt, um mit ihr den Zug nach Schweden zu besteigen.
Auf nicht ganz 130 Seiten berichtet Tucholsky anschließend von der Fahrt nach Schweden, der Suche nach einem ruhigen Landhaus für ihren fünfwöchigen Aufenthalt – sie entscheiden sich für Schloß Gripsholm – und den Spaziergängen, die „Daddy“ und die „Prinzessin“ unternehmen, wenn sie nicht gerade einmal ihre Seele baumeln lassen. An Namen fehlt es dabei nicht, finden die beiden immer neue Bezeichnungen für einander, ohne dass man als Leser dabei den Überblick verliert, wer gemeint ist, selbst als ein guter Freund von „Daddy“ kurzzeitig auftaucht und mitspielt. Die lockere und sommerliche Atmosphäre wird dabei ab und an von einem Abschnitt unterbrochen, der von „dem Kind“ handelt, welches in einem Kinderheim in der Nähe des Schlosses liegt. Von der Heimleiterin unterdrückt wünscht es sich nichts sehnlicher, als zurück zu seiner Mutter in die Schweiz. Auf einem Spaziergang der Kinderschar begegnet es den ebenfalls spazierendem Dreiergespann, woraufhin sich die beiden anfangs getrennten Erzählstränge geschickt miteinander verbinden.
Die heitere Atmosphäre wird dadurch nur geringfügig getrübt, denn der Kampf von Daddy und der Prinzessin um das Wohlergehen des Kindes nimmt nur einen Teil des Tagesgeschehens in Anspruch. Während der restlichen Zeit verbreitet eine Freundin der Prinzessin, die einige Tage zu Besuch ist, einen Hauch von Erotik und sorgt für prickelnde Dreisamkeit.
Aufgrund der Tatsache, dass Tucholsky als Ich-Erzähler die Geschehnisse schildert, erfährt man nichts von den Gefühlen und Gedanken der anderen Handelnden, außer dem, was Tucholsky in sie hineininterpretiert und aus ihrer Gestik und Mimik liest. Dennoch sind sie einem nach kurzer Zeit bereits so vertraut, als kenne man sie schon ewig und verbringt nun mit ihnen den Sommer in Südschweden.
Ein Manko hat dieses Buch aber aus meiner Sicht: die missingsche Sprache. Da ich nicht aus dem nordischen Raum stamme und auch keine Ahnung von plattdeutsch habe, verstand ich nur knapp die Hälfte dessen, was die Prinzessin in dieser Redensart von sich gab. Zum Glück beherrscht sie auch das Hochdeutsch, welches nur temporär von Ausflügen ins Missingsche unterbrochen wurde.
Alles in allem passt das Buch hervorragend zur Jahreszeit und verbreitet eine entspannte Atmosphäre, so dass ich am liebsten sofort meine Koffer gepackt und nach Südschweden gefahren wäre. Ich vergebe 4 von 5 Glockenblumen.